Quantenquark und braune Sauce

Was hat rechte Esoterik eigentlich mit Quantenquark zu tun? Am Ende des vorletzten Artikels

Zwei Vortragstermine – relativ quantenfrei

hatte ich diese Frage aufgeworfen. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass es bei rechter Esoterik eben nicht nur um Vorstellungen von fackeltragenden SS-Männern auf der Wewelsburg oder um Verschwörungstheorien über Hitlers angebliche Geheimwaffen oder Zufluchtsorte in der Antarktis geht. Es gibt auch ganz andere, zunächst völlig unpolitisch daherkommende Formen von Esoterik, die rechtsextreme Propaganda oder Reichsbürger-Ideologie untermauern, verbreiten oder finanzieren. Das wird vor allem im Umfeld der sogenannten alternativen Medien im Internet deutlich, deutlicher vielleicht als in der Offline-Welt, in der Politik eher von klassichen Partei- oder Bürgerinitiativen-Strukturen geprägt ist. Betrachtet man zum Beispiel das Angebot des Sammelportals alternativ.tv, so findet sich dort auf der Titelseite zwar vor allem rechte Politik, aber im Angebot der dort gesammelten Kanäle sind Esoterik und Verschwörungstheorien praktisch allgegenwärtig.

Ja, „alternative Medien“ – können Sie sich noch an die Zeiten erinnern, als man bei dem Wort „alternativ“ noch an langhaarige, Sandalen tragende Linke dachte? Heute hat man es da eher mit langhaarigen Rechten zu tun, die auch noch stolz darauf sind, wenn man ihnen bescheinigt, wenig politische Skrupel zu haben:

Nicht nur Verschwörungstheorien, auch Quantenquark auf rechten Internet-Kanälen gibt es. Damit meine ich jetzt nicht, dass Frank Baars bei bewusst.tv mit dem Reichsbürger-Aktivisten Jo Conrad über „Quantengeheimnisse“ plaudert. Baars versteht unter Quantengeheimnissen nämlich tatsächlich seine Vorstellung, dass man alle möglichen Krankheiten heilen könne, indem man auf seinen Füßen herumdrückt. Diese augenzwinkernde Begriffsverwendung ist mir ja schon fast wieder sympatisch – im Gegensatz zum Rest des Videos und der ganzen Seite.

Ein paar Dinge aus der Richtung hatte hier auch schon einmal angesprochen. Da wäre zum Beispiel quer-denken.tv von Michael Vogt, einem Reichsbürger-Buddy von Jo Conrad, der Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß gerne als „Friedensflieger“ bezeichnet. Dort kann unter anderem Walter Thurner seine Quantentherapiegeräte bewerben und behaupten, Elementarteilchen seien Wesen und hätten ein Bewusstsein. Michael Vogts Online-TV-Kanal verlinkt auch zu den diversen Videos mit dem Mediziner Enrico Edinger ein paar… sagen wir… interessante Quantenprodukte. Da wäre zum Beispiel ein Quantenkraftstein, ein etwa handtellergroßes farbiges Objekt aus gepresstem Holz zum Preis von sensationellen 800 Euro. Die ausführliche Produktbeschreibung des Herstellers enthält in einem Absatz so viele bizarre Behauptungen zur Physik, dass ich hier einen eigenen Artikel bräuchte, um auf alle einzugehen. Interessant ist auch ein Gerät, das für 1800 Euro die Quanteninformationen unserer Psyche überschreiben soll – indem man es sich um den Bauch bindet. Solche Produkte sind natürlich per se nicht politisch, aber wenn beim „redaktionellen Inhalt“ so direkt Produktdatenblätter verlinkt werden, dann liegt es nahe, dass der Verkauf der Produkte irgendwie zur Finanzierung des Programms beiträgt. Noch etwas deutlicher wird es, wenn „Matrix Power Quantenheilung“ mit „13-Strang-DNS-Aktivierung“ auf der selben Seite einmal als redaktioneller Inhalt und einmal als Werbebanner auftaucht.

Tatsächlich besteht der größte Teil der Rubrik „Quantenphysik“ auf quer-denken.tv aus Videos, in denen Produkte vorgestellt werden. Zu dem quer-denken-Programm, das offenbar so mitfinanziert wird, gehört dann aber zum Beispiel die Behauptung, die Morde des NSU seien keine Morde des NSU. Daneben werden zum Beispiel der „herrschenden Klasse“ und unserer „Kanzlerdarstellerin“ satanische Rituale unterstellt, und behauptet, die EU sei die Umsetzung eines Plans aus dem Dritten Reich.

Quantenquark dient in diesen Beispielen also ganz offensichtlich zur Finanzierung von Verschwörungstheorien und rechter Propaganda. Das ist aber nicht alles. Quantenquark ist an anderer Stelle auch Teil der Rechtfertigung und Argumentation stark rechtslastiger Vorstellungen, vor allem im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien. Das zeigt sich zum Beispiel auf Secret.tv, einem Internetangebot, das von Jan van Helsing (Jan Udo Holey) gegründet wurde. Van Helsing wurde vor allem durch glorifizierende Verschwörungstheorien um angebliche Wundertechnologien des Dritten Reiches bekannt. Das „Manifest“ von van Helsings Nachfolger beruft sich auf die Quantenphysik für die Behauptung, es gäbe keine physische Realität und Wahrheit sei etwas rein Subjektives. Ob sich so etwas tatsächlich aus der Quantenphysik folgern lässt, ist ein Thema, über das ich auch mal einen Artikel schreiben muss. Hier wird diese Behauptung jedenfalls als Rechtfertigung benutzt, um allerlei Verschwörungstheorien zu verbreiten.

Auch bei den Verschwörungstheorien rund ums CERN, auf die ich schon mehrfach im Detail eingegangen bin, spielt öfters rechtsextreme Propaganda eine Rolle. Schon da tauchte der Honigmann-Blog auf, der weniger für Honig als für Antisemitismus, Ausländerhass und Verschwörungstheorien bekannt ist. Im Februar soll bei einem Honigmann-Treffen ein mir unbekannter Referent namens Oliver Barth über „Von der Quantenphysik zum Bewußtsein“ sprechen. Der Titel lässt auf Quantenquark vom Feinsten schließen, aber so richtig übel wird es im Umfeld dieses Vortrags. Der Vortrag direkt davor bezeichnet „Masseneinwanderung“, also offenbar die Flüchtlingswelle seit 2015, als „Angriff auf Deutschland“. Am gleichen Tag bekommt dort auch noch das Chemtrail-Schwurbler-Fossil Werner Altnickel das Wort – genau, der aus dem wenig-Skrupel-Tweet oben. Wer Altnickel noch nicht kennt, kann sich in seinem aktuellen Video „Militärische + Wirtschafts- Nachrichten Januar 2017“ ansehen, wie er (ab Minute 16:28) die Europäische Union auf einen Plan zurückführt, Europa zu einer „negroid-asiatischen Mischrasse“ umzuformen, „mit Unterstützungsgeldern übrigens von Rockefeller und Co“. Was der Honigmann höchstpersönlich schon morgens über die aktuelle politische Lage zu berichten hat, will ich dann gar nicht mehr so genau wissen. Wer sich gruseln will, kann sich ja mal die Honigmann-Nachrichten reinziehen.

Auf der Seite „Aufwachen 2014“ verbinden sich Quantenquark und Antisemitismus noch viel direkter. Unter dem Titel „Wacht auf oder geht zugrunde“ fabuliert die russisch-amerikanische Philosophin Irene Caesar über eine Quantensprung-Technologie, die offenbar auf den Gesetzmäßigkeiten der Quantenphysik beruhen soll. Mit dieser Quantensprung-Technologie begründet sich unter anderem das bioaktive Wasser zur Behandlung unheilbarer Krankheiten, das man bei Caesars Firma kaufen kann, ebenso wie die Mini-Tesla-Generatoren für 1000 bis 2000 Dollar. Diese sollen nicht, wie der Name vermuten lässt, Energie aus nichts erzeugen, sondern ein Hologramm gesunder Zellen durch den Körper verbreiten. So weit, so Quark. Dazu beschwert sich Caesar aber, dass dieser Quantensprung von den Zionisten sabotiert wird. Diese Zionisten haben für Caesar auch die Ukraine gegründet, wollen den armen, friedfertigen Wladimir Putin eliminieren, und, wie könnte es anders sein, selbst Hitler war für Caesar nur ein Projekt der Zionisten. Und der Gegner der Zionisten ist der Nationalismus. Wenn alle Nationen für sich nationalistisch sind, dann ist an alle Nationen gedacht – das soll mit den Gesetzmäßigkeiten der Quantenphysik im Einklang stehen, weil es irgendwie holographisch sei, meint Frau Caesar, die von Hologrammen offensichtlich genauso wenig versteht wie von Quantenphysik. Wenn Sie nicht glauben wollen, dass jemand so etwas tatsächlich sagt oder sie ganz viel Langeweile und schwarzen Humor haben, können Sie sich das Interview auch in zwei Teilen je einer Stunde im Original auf Video ansehen.

Zwischen Quantenquark als reiner Geldquelle für rechte Medien und unmittelbar rassistischem oder antisemitischem Quantenunsinn gibt es allerdings noch diverse Abstufungen. So kann man auch um die Unterdrückung angeblicher „freier Energie für alle Menschen“ durch „die da oben“ eine Verschwörungstheorie stricken, auf der dann andere ihr ideologisches Süppchen kochen können. Über die angebliche Unterdrückung solcher Technologien sprach zum Beispiel der Wolfenbütteler FH-Professor Claus Turtur auf der achten „Antizensurkonferenz“ (AZK) in der Schweiz. Auf derselben Konferenz redete dann auch Sylvia Stolz, die ehemalige Anwältin des Holocaust-Leugners Ernst Zündel, über ein angebliches Verbot, diesen zu verteidigen. Vom damaligen Verfahren war sie unter anderem deshalb ausgeschlossen worden, weil sie eine Beschwerde an das Gericht mit „Heil Hitler“ unterschrieben hatte.  In ihrem Vortrag auf der Antizensurkonferenz  leugnete sie dann selbst den Holocaust, wofür sie einmal wieder zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Ein Video mit dem volksverhetzenden Vortrag von Frau Stolz werde ich hier nicht verlinken, aber der Vortrag von Turtur ist auch aus Quantenquark-Sicht interessant. Er rechtfertigt nämlich seine Behauptung einer angeblich unbegrenzt verfügbaren freien Energie unter anderem mit dem physikalischen Konzept der Vakuumenergie, und auf das bin ich hier noch nie näher eingegangen. Die Vakuumenergie wird daher der abschließende Teil dieser kleinen dreiteiligen Artikelserie werden:

Die Energie von Professor Turturs Vakuum

Dr. Axel Stoll hat auch tot noch keine Ahnung von Physik…

Eigentlich sollte mein nächstes Posting ja die Fortsetzung des Vortragsposts sein und auf Quantenquark in der braunen Esoterik eingehen, aber da das hier gerade aktuell hereinkommt, schiebe ich einen kurzen Kommentar dazwischen. Mit einer Form von brauner Esoterik hat es ja auch zu tun. Und weiter unten im Text möchte ich einem Missverständnis vorbeugen, das sich die Freie-Energie-Spinner zunutze machen könnten.

Axel Stoll hat offensichtlich immer noch keine Ahnung von Physik. Das ist an sich nicht sonderlich überraschend, denn er ist ja inzwischen seit zweieinhalb Jahren tot…

Der Hintergrund ist natürlich der Film „Ein Interview mit Dr. Axel Stoll“, zu dem ich damals ein paar Expertenkommentare abgegeben hatte.

Stoll hatte in dem Interview behauptet, in geheimen Nazi-Laboren sei eine beispiellos harte Legierung erzeugt worden, indem unterschiedliche Metalle bei Temperaturen nahe am absoluten Nullpunkt unter extremem Druck verquetscht habe – Quetschmetall, wie er das nannte. Das ist natürlich Blödsinn: Bei Temperaturen nahe des absoluten Nullpunkts werden Festkörper (auch Metalle) immer weniger elastisch, und wenn man sie dann großen Kräften aussetzt, bekommt man keine harte Legierung, sondern nur Brösel. Das funktioniert sogar schon bei den vergleichsweise milden -196°C (und somit 77K über dem absoluten Nullpunkt) von flüssigem Stickstoff:

Viel spannender als das ist aber der Spektrum.de-Artikel, der in dem Tweet verlinkt ist. Da ist es also einer Forschergruppe gelungen, in einem sehr kleinen, schwingenden Bauteil die Schwingungen extrem zu reduzieren, was man als Kühlung bezeichnet. Dazu setzten sie sogenannte gequetschte Mikrowellen ein. Das sind elektromagnetische Wellen, bei denen unterschiedliche Frequenzen so trickreich überlagert sind, dass unvermeidliche quantenmechanische Störungen nicht die übertragene Energie beeinflussen, sondern die Wellen nur verschieben. Gequetscht war also nicht das Metall, sondern die Wellen, mit denen die Schwingungen des Metalls gebremst wurden (und auch für die ist der Begriff „gequetscht“ irgendwie wenig erhellend).

Das Experiment ist interessant für Präzisionsmessungen, für die Erforschung von Quanteneffekten in mechanischen Schwingungen und letztlich auch für eine denkbare Form von Speichern in Quantencomputern. Leider könnte der Artikel auch einen falschen Eindruck erwecken: Der Titel „Kälter als die Quanten erlauben“ kann nämlich den Eindruck entstehen lassen, es sei gelungen, dem Bauteil die Nullpunktsenergie seiner Schwingungen zu entziehen. Die Nullpunktsenergie wird aber in der „Freie-Energie“-Szene gerne als Begründung dafür missbraucht, dass es doch möglich wäre, ein Perpetuum mobile zu bauen. Nun brauchte man natürlich auch in diesem Experiment um viele Größenordnungen mehr Energie für den Betrieb der Anlage, als man dem Bauteil entzogen hat, aber Leute wie Claus Turtur sind ja gerne kreativ in ihrer Interpretation von Messungen…

Nun geht es bei der Quantengrenze, unter die man das Bauteil hier abgekühlt hat, aber gar nicht um die Nullpunktsenergie, sondern um die sogenannte quantum back action. Dafür gibt es offenbar noch keine einheitliche deutsche Übersetzung – ich finde entweder einfach nur „Rückwirkung“ oder, weniger einfach, „Quantenstrahlungsdruckrauschen“. Deshalb hat sich der Autor des Spektrum-Artikels offenbar ein bisschen darum gedrückt, diese „niedrigste mögliche Energiemenge“ näher zu bezeichnen. Etwas vereinfacht geht es um den (wie man jetzt gefunden hat nur fast) unvermeidlichen, unkontrollierten Austausch von Energie zwischen Messgerät und beobachtetem Objekt durch Quantenfluktuationen. Das ist eine der quantenmechanischen Grenzen bei Messungen, und quantenmechanisch ist das Kühlen auch eine Form von Messung. Wenn man die trickreich umschiffen kann, dann ist das allemal einen Artikel wert.

Es liegt mir auch fern, mit dieser Anmerkung Spektrum-Autor Lars Fischer zu kritisieren. Er ist meines Erachtens neben Florian Freistetter einer der besten Wissenschaftsblogger/-journalisten in deutscher Sprache. Als jemand, der hobbymäßig ab und zu mal ein paar Zeilen zu grenzwissenschaftlichen Themen zusammentippt, kann ich mich vor dem, was er früher auf Fischblog und jetzt auf Spektrum geschrieben hat und schreibt, nur verneigen.

Nur falls Ihnen nun irgendwo jemand begegnet, der meint, es sei doch jetzt sogar der Mainstreamwissenschaft gelungen, Bauteilen ihre Nullpunktsenergie zu entziehen: Die Antwort ist nein. Man kommt mit dieser Methode nur näher an die Nullpunktsenergie heran, die im Originalartikel als „motional ground state“ bezeichnet ist. Das war bislang nur bei Bauteilen möglich, die mit extrem hohen Frequenzen schwingen und dadurch auch eine relativ hohe Nullpunktsenergie haben. Mit dieser neuen Methode schafft man das dann auch bei Bauteilen mit niedrigerer Frequenz, wo das bislang durch Quanteneffekte bei der Messung/Kühlung nicht möglich war.

Insofern – alles gut, Ihr Physikbuch stimmt noch. Man kann weder Objekten ihre Nullpunktsenergie entziehen noch Quetschmetalle herstellen.

 

Zwei Vortragstermine – relativ quantenfrei

Nachdem in letzter Zeit das Thema Quantenquark doch einen sehr bedeutenden Teil meines skeptischen Denkens und Schreibens ausgemacht hat, ist es bei meinen Vortragsthemen momentan noch eher anders. Immerhin, bei den Aktionstagen gegen geistige Brandstiftung in Gießen durfte ich jemanden quantenheilen. Ansonsten geht es aber momentan meist eher um Verschwörungstheorien oder um braune Esoterik, wenn ich irgendwo zum Mikro greife. Das habe ich mir nur zum Teil so ausgesucht – die Aktionstage waren ja angesichts des in Gießen angekündigten Verschwörungstheoretiker-Kongresses sozusagen unvermeidlich. Aber auch für Freunde des gepflegten Quantenunsinns habe ich bald wieder Vorträge in Vorbereitung, einmal im März bei der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Bremen (es muss doch möglich sein, ein paar mehr Physiker auf das Thema aufmerksam zu machen) und natürlich bei der SkepKon in Berlin (dieses Mal Ende April und nicht wie sonst an Himmelfahrt).

Bei meinen ganz aktuellen Vorträgen steht aber das Thema der rechten Esoterik im Vordergrund, wobei mit „rechts“ nicht bürgerlich gemeint ist, sondern antisemitisch, rassistisch, autoritär und was man sonst noch mit einem Umfeld assoziiert, das auch gerne als „braun“ bezeichnet wird. Los geht es gleich diese Woche, passenderweise am Freitag dem 13., in Marburg, auf Einladung der Antifa-Bildungsinitiative und des AStA. Da darf ich zu meiner großen Freude mal wieder mit dem Physikerkollegen Sebastian Schmalz auftreten, dessen wahnsinnig unterhaltsame Vorträge ich ebenso empfehlen kann die fundierten und differenzierten Analysen auf seinem Blog Nullius in Verba.


Der zweite Termin ist am 30. Januar bei Skeptics in the Pub in Hamburg, 19.30 im Haus 73, Schulterblatt 73, im Herzen des Schanzenviertels.

Einen früheren Vortrag zum gleichen Thema von mir gibt es vom vergangenen Jahr aus Köln auch im Internet anzusehen, wobei aus dieser Szene zur Zeit natürlich regelmäßig etwas Neues dazukommt.

Das Thema „rechte Esoterik“ trifft sicherlich den Nerv der Zeit, aber was hat es eigentlich mit Quantenquark zu tun? Bei genauerem Hinsehen mehr als man denkt, und das wiederum hängt eng mit der Kernthese meiner Vorträge zu diesem Thema zusammen: Zur rechten Esoterik gehört so viel mehr als Jan Hanussen, Neuschwabenland und angebliche okkulte Rituale der SS.

Und genau dazu folgt in den nächsten Tagen ein weiterer Artikel unter dem Titel:

Quantenquark und braune Sauce

Wie man Quantenquark potenziert

Ich finde es ja immer faszinierend, wenn es jemand schafft, eine Form von Quark mit einer gänzlich anderen Form von Quark zu begründen und meint, sich damit einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Besonders lustig ist das zum Beispiel, wenn der Haus-AltenaivAlternativmediziner der rechtsesoterischen Querdenkerfraktion, Manfred Doepp, die Leistung unterschiedlicher Handy-Harmonisierungs-Chips mit Hilfe eines kinesiologischen Muskeltests vergleicht. Da hat er wirklich das optimale Testverfahren gefunden: Um eine funktionslose Technik, die ein nicht existierendes Problem lösen soll, zu testen, kommt eben nur eine Placebomethode in Frage.

Ungefähr auf diesem Niveau bewegt man sich, wenn man die angebliche Wirksamkeit homöopathischer „Arzneimittel“ mit falscher Quantenmechanik erklären will. Und eigentlich sollte man erwarten, dass Harald Walach bei diesem Thema die Nase vorne hat, der ehemalige Leiter von Hogwarts an der Oder. Walachs Schwache Quantentheorie ist schließlich hervorragend geeignet, um so ziemlich jeden pseudowissenschaftlichen Unsinn mit etwas zu untermauern, was wenigstens auf den ersten Blick vage wie Physik aussieht: Walach und seine Koautoren haben ein paar Begriffe aus der Quantenmechanik, ähm, entliehen (vor allem „Verschränkung“ und „Komplementarität“), die für die meisten Menschen schwer verständlich sind, aber immerhin nach Naturwissenschaft klingen. Das wäre für sich genommen ja kein Problem, wenn denn klar würde, dass es dabei um reine Analogien oder einen metaphorischen Gebrauch der Begriffe ginge. Um genau das zu verschleiern, tauchen aber in praktisch jedem Artikel über die Schwache Quantentheorie seitenweise Abhandlungen über Physik auf, was reichlich unsinnig wäre, wenn man die Begriffe ehrlich nur metaphorisch oder als Analogie verwenden würde. Ich hatte das an anderer Stelle schon angemerkt: Wenn man eine empfindliche Person metaphorisch als Mimose bezeichnet, fügt man keine Abhandlung über die Physiologie tropischer Hülsenfrüchtler an. Offenbar um den Eindruck zu verstärken, dass es sich wohl doch um so etwas wie Physik handelt und um Kritik abzuschrecken, sind die meisten Artikel auch noch mit (ebenfalls seitenweise) hochgradig abstrakten theoretischen Modellen beladen, die mathematisch sicherlich korrekt sind, denn Koautor Hartmann Römer ist ein sehr anerkannter theoretischer Physiker. Das Problem bei der ganzen Mathematikschlacht ist: Es wird an keiner Stelle klar, was das ganze eigentlich mit der Realität zu tun hat. Die Physik verwendet Mathematik, um experimentell messbare Sachverhalte zu beschreiben – selbst Theorien, zu denen man aktuell noch nichts messen kann, sind zumindest klar auf dieses Ziel ausgerichtet. Bei der Schwachen Quantentheorie erscheint mir jedoch höchst zweifelhaft, ob die Mathematik dort (außer für Professor Römer selbst, für den das sicher ein faszinierendes Gedankenspiel ist) einen anderen Zweck hat, als die Leser zu verwirren. Walach selbst lehnt schließlich wissenschaftliche Experimente zu den Systemen, die die Schwache Quantentheorie beschreiben soll, ausdrücklich ab: „Im Grunde setzen Experimente kausale Strukturen voraus, die es per definitionem in solchen Systemen eben gerade nicht gibt.“ Anschließend versteigt er sich auch noch zu der hanebüchenen Behauptung, auch die Quantenmechanik sei nicht experimentell geprüft.

Dieses merkwürdige Konstrukt müsste die Homöopathen ja nun eigentlich in helles Entzücken versetzen, und genau das muss Walach auch gedacht haben. Schon im ersten Jahr nach der offiziellen Vorstellung der Schwachen Quantentheorie in Foundations of Physics bezog sich gleich der erste wissenschaftliche Aufsatz über die Anwendungsmöglichkeiten dieser Theorie auf die Homöopathie. Veröffentlicht wurde der Artikel (Autor Harald Walach) überigens in der Zeitschrift Forschende Komplementärmedizin und Klassische Naturheilkunde (Herausgeber Harald Walach). Tatsächlich scheint die schwache Quantentheorie aber in der Esoterikszene so richtig nur die Parapsychologen und die Familienaufsteller zu begeistern. Parapsychologe Walter von Lucadou, der schwach-quantenphysikalische Verschränkungen nicht nur bei der Fußball-Nationalmannschaft, sondern auch bei angeblich hellseherischen Träumen am Werk sieht, ist auch noch selbst einer von Walachs Koautoren. Sucht man hingegen nach Schwacher (oder, wie Walach es heutzutage selbst lieber hört, Generalisierter) Quantentheorie in Verbindung mit Homöopathie, findet man dort neben ihm selbst und seinen Koautoren in erster Linie Artikel von Skeptikern. Überhaupt scheinen sich Skeptiker mehr für dieses pseudophysikalische Konzept zu interessieren als irgendjemand sonst, weswegen ich da jetzt hier auch einen Haken dranmache.

Dass die Homöopathen sich nicht besonders für die Schwache Quantentheorie zu begeistern scheinen, heißt aber nicht, dass sie etwas gegen Quantenquark hätten – ganz im Gegenteil. Zum einen kommt natürlich in jeder Homöopathie-Diskussion, wenn man vorrechnet, dass in Hochpotenzen kein einziges Molekül der Ursubstanz mehr enthalten ist, irgendjemand mit dem alten Käse (Quäse?) um die Ecke, in der Quantenphysik hinge doch alles mit allem zusammen, und deshalb habe Wasser eben ein Gedächtnis. Warum aus der Quantenmechanik eben nicht folgt, dass in irgendeinem sinnvollen Sinne alles mit allem zusammenhängt, habe ich hier schon mal angerissen. Außerdem gibt es in der Homöopedia ausführliche Artikel zum Nicht-Zusammenhang von Quantenphysik und Homöopathie und dazu, warum man sich dafür auch nicht auf den österreichischen Physiker Anton Zeilinger berufen kann. Der harte Kern wie der Zentralverein homöopathischer Ärzte (ich liebe diesen Vereinsnamen – „homöopathische Ärzte“ klingt für mich immer ein bisschen wie „pyromane Feuerwehrleute“ oder „kriminelle Justizbeamte“…) ist zu dem Thema allerdings auch relativ zurückhaltend. Andere haben allerdings aus Quantenquark gleich eine ganz neue Homöopathie gemacht.

Da wäre zum Beispiel die „Quantenlogische Homöopathie“, die der Begründer, Professor Walter Köster, selbst lieber „Quantenlogische Medizin“ nennt, obwohl es dabei um nichts weiter geht als um die Auswahl der richtigen homöopathischen „Arznei“, die dann in dem, was der Patient bekommt, nicht enthalten ist – dank der üblichen homöopathischen „Potenzierung“, der x-mal 10-fachen Verdünnung, durch die die Wirkung nach homöopathischer Logik immer stärker wird. Kösters Anspruch ist eigentlich gar nicht mal schlecht – wegzukommen von der völlig sinnfreien (und alles andere als „ganzheitlichen“) Zuordnung irgendwelcher Stoffe zu irgendwelchen Symptomen nach dem Ritual der homöopathischen „Arzneimittelprüfung“. Köster erhebt also den Anspruch, den Mittelchen jeweils eine „Eigenschaft“ zuzuordnen, für die sie gut sind. Das wäre gegenüber der klassischen Homöopathie, die Köster folgerichtig auch als wissenschaftsfeindlich bezeichnet, in der Tat ein echter Fortschritt. Für diesen Fortschritt bemüht Köster die Quanten – allerdings in einer Weise, über die man nicht einmal mehr lachen kann. Ein Quant ist nach Köster eine „gestaltende Verbindung“ zwischen zwei Extremvarianten, weil seiner Ansicht nach ein Elektron in einem Atom nur an einem von zwei Orten (=Schalen) gemessen werden kann, nie dazwischen.

Das ist natürlich schon nach Anfängerkenntnissen von Quantenmechanik oder Atomphysik so falsch, wie es nur sein kann. Die „Schalen“ sind keine Orte, sondern Energiezustände, und die sind zwar quantisiert (es sind also nur bestimmte Werte möglich, aber viel mehr als zwei), aber nicht messbar. Messbar sind nur die Übergänge dazwischen, bei denen Energie absorbiert oder abgegeben wird. Messbar ist auch der Ort des Elektrons, aber der kann mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten an jedem beliebigen Punkt innerhalb und sogar weit außerhalb des Atoms liegen. Bei Herrn Professor Kösters Vorstellungen von Quanten mangelt es ganz offensichtlich an physikalischem Grundlagenwissen auf Abiturniveau, welches man zum Beispiel hier bei „Frustfrei Lernen“ nachholen kann. Entsprechend „quantenlogisch“ ist dann auch seine Herleitung dessen, was er als „das Quant“ bezeichnet, nämlich das Homoöpathische Arzneimittelbild, also die Zuordnung der Mittelchen zu den Symptomen. Die erfolgt bei Köster nämlich offenbar einfach nach umgangssprachlichen Assoziationen. Mit Ambra werden im Darm eines Pottwals Fremdkörper ummantelt, also hilft Ambra gegen alle Symptome, die sprachlich mit Ummanteln oder Verhüllen in Verbindung gebracht werden. Was soll man zu so viel geballter Wissenschaftlichkeit noch sagen? Die Anhänger dieser bizarren Lehre scheinen überwiegend aus meiner hessischen Nachbarschaft zu kommen, was mir irgendwie schon zu denken gibt…

Allein die Tatsache, dass Köster die klassische Homöopathie mit ihrem Guru Samuel Hahnemann als wissenschaftsfeindlich bezeichnet, dürfte ihm schon den Unmut unseres nächsten Kandidaten einbringen. Lothar Brunke betreibt einen Blog namens „Quantenhomöopathie nach Hahnemann“ und hat seine früheren Blogbeiträge in einem Buch unter dem Titel „Wissenschaftliche Homöopathie“ veröffentlicht. In Diskussionsbeiträgen im Forum der homöopathischen Ärzte tut Brunke sich vor allem dadurch hervor, dass er jede Hypothese über die Homöopathie dann für falsch und diskussionsunwürdig erklärt, wenn sie von den unfehlbaren Lehren Hahnemanns abweicht. Die gleiche Unfehlbarkeitskeule trifft dann natürlich auch Walachs Schwache Quantentheorie und die von ihr angenommene pseudophysikalische Verschränkung von Arzneimittel und Symptom: „Diese Aussage widerspricht den Erkenntnissen von Herrn Hahnemann“, erklärt Brunke in seinem Buch, womit die Schwache Quantentheorie für ihn auch schon weitgehend erledigt ist. Andere Homöopathenkollegen, die von der reinen Lehre des Meisters abweichen, bezeichnet Brunke dann auch einfach als Geistheiler. Das klingt natürlich irgendwie mehr nach Vatikan als nach Wissenschaft, und so stellt sich die Frage, was Herr Brunke eigentlich unter „wissenschaftlicher Homöopathie“ oder „Quantenhomöopathie“ versteht. Sein Buch eröffnet Brunke mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat des Mitbegründers der quantenphysikalischen Konzepts der Dekohärenz, Dieter Zeh. Etwas über Dekohärenz zu lernen, würde vielen Quantenquark-Autoren sicher gut anstehen. Zehs hochgradig abstrakte Arbeit, aus der das Zitat stammt, ist dafür aber denkbar ungeeignet. Sie ist für Diskussionen theoretischer Physiker untereinander gedacht und man muss schon ziemlich tief in Grundsatzfragen der Quantenmechanik und die dazugehörige Mathematik eingestiegen sein, um dem folgen zu können. Der Satz, den Brunke dort herausklaubt, klingt so, als bestätige Zeh das berühmte „Alles hängt mich allem zusammen“. Tatsächlich bezieht sich das Zitat aber auf das auch unter theoretischen Physikern umstrittene und obendrein rein theoretische Viele-Welten-Modell zur eher philosophischen Interpretation der Quantenmechanik, von dem eben nur eine Welt für unsere Realität relevant wäre. Es ist schon hilfreich, zu verstehen, was man zitiert… Tatsächlich verlinkt Zeh auf seiner Homepage einen großartigen und (für ernsthaft interessierte Laien mit etwas Mühe) tatsächlich verständlichen Aufsatz, in dem er klarstellt, was da gemeint ist – und das erklärt eine Wirkung nicht vorhandener Wirkstoffe eben gerade nicht.

Damit ist aber immer noch offen, wie denn eine „wissenschaftliche Homöopathie“ laut Brunke wirken soll. Die Antwort findet sich in einem Artikel, den er 2011 für die Allgemeine Homöopathische Zeitung geschrieben hat. Die Antwort ist: Homöopathie wirkt über Biophotonen! Dazu, dass Fritz-Albert Popps Konzept der Biophotonen unsinnig ist, habe ich schon in diesem Post zwei Vorträge von mir verlinkt, und ich hatte eigentlich die Hoffnung, da Popp mit fast 80 Jahren kaum noch öffentlich auftritt, gerät das Thema langsam in Vergessenheit und ich muss es nicht mehr verschriftlichen… Hier also nochmal die lange Version von der SkepKon 2014:

Brunke verbreitet also auch nichts weiter als Quantenquark, was darin gipfelt, dass er Samuel Hahnemann im Klappentext zu seinem Buch als ersten Entdecker der Quantenphysik bezeichnet. Als Max Planck 1900 mit dem Strahlungsgesetz die erste Idee der Quantenphysik aufbrachte, war Hahnemann schon mehr als 50 Jahre tot.

Die gleiche absurde Idee von Hahnemann als erstem Quantenphysiker verbreitet auch Helmut Trott, ein Heilpraktiker aus Südbaden, der mit „miasmatischer Homöopathie“ wirbt. Miasmen sind eine Vorstellung aus der Zeit vor der Entdeckung von Bakterien und Viren, nach der Krankheiten durch üble Gerüche verursacht werden und man sich mit räuchernden Schnabelmasken davor schützen kann.

Trotts Erklärung für eine „quantenphysikalische“ Wirkung der Homöopathie sind sogenannte morphische (auch: morphogenetische) Felder. Die haben dummerweise aber überhaupt nichts mit Quantenphysik zu tun, sondern sind ein Relikt aus der Mottenkiste der Biologie. Mit morphischen Feldern erklärte man (hypothetisch) sich die Entwicklung heranwachsender Organismen, bevor die Bedeutung der DNA als Bauplan für Proteine entdeckt wurde. Die Idee wurde in den 1980ern von Rupert Sheldrake wieder aufgewärmt und mit einem fadenscheinigen physikalischen Anstrich versehen und ist seitdem in der Esoszene recht beliebt. Vielleicht braucht Sheldrake hier auch mal irgendwann einen eigenen Artikel…

Wenn der oben erwähnte selbsternannte Leiter der homöopathischen Glaubenskongregation, Lothar Brunke, einige seiner Homöopathenkollegen als Geistheiler bezeichnet, meint der das ganz offensichtlich als Abwertung, zumal er deren Tätigkeit auch als „gefährliche Scharlatanerie“ bezeichnet. Ein paar andere seiner Kolleginnen, die ihre eigene „Quanten-Homöopathie“ verkaufen, hätten gegen die Bezeichnung Geistheiler aber vermutlich gar nichts einzuwenden, und zwar die Erdschwestern. Dagmar Schneider-Damm und Meike Dörschuck werben nämlich ganz ausdrücklich auch mit „russischen, geistigen und kosmischen Heilweisen – auch Geistheilung genannt“. Was ihre Homöopathie zur Quanten-Homöopathie macht, ist wohl, dass die beiden nebenbei auch noch mit Quantenheilung heilern. Ein bisschen was zur Quantenheilung hatten wir hier schon mal – das muss ich an dieser Stelle nicht wiederholen. Außerdem gehört laut der Inhaltsangabe zu ihrem Buch „Homöopathie-Profile“ zu ihrer Quanten-Homöopathie auch, mittels Kieselerde die Erde zu heilen, und die morphischen Felder sind auch wieder mit von der Partie. Außerdem kann man sich auch meditativ mit den homöopathischen Wirkkräften eines Mittels in Verbindung setzen – alles Physik, natürlich. Und schließlich: „Auch in anderen Bereichen können wir mithilfe der Quantenphysik alles erreichen, wenn wir uns nur dessen bewusst werden.“ Ansonsten besteht ihr Buch aber vor allem aus dem, woraus Homöopathie letztlich immer besteht: Einer langen Auflistung von Mittelchen, jeweils mit einer Liste von Wehwehchen, für die der Patient von diesen Mittelchen – nichts bekommt.

Und schließlich hat die Sinn/Seelenintelligenz-Akademie auch noch eine Sinn/Quanten-Homöopathie im Angebot. Danach entstehen Krankheiten nicht etwa durch Infektionen, Verletzungen oder Alter, sondern durch „unharmonische Schwingungen“ in unseren Organen. Die Sinn/sche Vorstellung von Quanten-Homöopathie, zusammengebraut aus dem Trio Infernale des verdünnten Nichts (Homöopathie, Bachblüten und Schüsslersalze), liefert die notwendigen „feinstofflichen Informationen“ als „Heilfrequenzen“… Was das mit Quanten zu tun hat oder welchen Sinn das überhaupt ergeben soll, steht leider nicht dabei, und das dazu empfohlene Sinn/Körperenergetik-Seminar für 440 Euro wollte ich nun doch nicht belegen, nur um das herauszufinden.

So, und nach so viel Quark verabschiede ich mich – ich brauche jetzt dringend meine Rescue-Tropfen…