Homöopathie und die Quantendynamik des (Kopf-) Schüttelns

Wenn man mit halbwegs rationalen Menschen über Homöopathie spricht, begegnet einem häufig die Aussage: „Wenn nichts drin ist, ist es vielleicht ein Placebo, aber dann schadet es ja auch nicht.“ Was für ein verheerender Fehlschluss das sein kann, hat sich ja ganz aktuell wieder bei Tina Turner gezeigt, die es fast nicht überlebt hätte, als sie von einem „homöopathischen Arzt“ aus Frankreich zwar nicht mit klassischer Homöopathie, aber ähnlich wirkungslos behandelt wurde.

Die Homöopathiegläubigen versuchen aber natürlich immer wieder zu erklären, Homöopathie sei eben kein Placebo, obwohl nichts drin ist. In den vergangenen Wochen geisterte durch diverse Homöopathiegruppen auf sozialen Netzwerken ein englischsprachiger Artikel mit dem Titel „Die Quantendynamik der homöopathischen Verschüttelung“, der einmal wieder die Wirksamkeit von Homöopathie auf Basis der Quantenmechanik begründen will. Dementsprechende Ideen, üblicherweise basierend auf der Verschränkung oder dem Welle-Teilchen-Dualismus, habe ich hier ja schon das eine oder andere Mal auseinandergenommen. So lohnt sich auch hier ein Blick – bei solchen Versuchen gibt es schließlich immer etwas zu lachen.

Rufen wir uns zunächst einmal in Erinnerung, warum eine solche Begründung notwendig wäre, wenn man ernsthaft glauben sollte, Homöopathie hätte eine Wirkung – außer als Placebo natürlich.

Homöopathische „Arzneimittel“ werden hergestellt, indem man eine Substanz – häufig etwas wie Arnika- oder Tollkirschenextrakt, aber auch gerne mal Hundekot, Nasenschleim von kranken Pferden oder wie im Bild Reste der Berliner Mauer – stark (meist 1:10 oder 1:100) verdünnt, nach einem festgelegten Ritual schüttelt, die verschüttelte Verdünnung dann wieder verdünnt und so weiter. Bei den meisten Homöopathika wird das viele Male wiederholt, wobei durch diesen Ritus sichergestellt ist, dass selbst nach wenigen Verdünnungsschritten (sogenannte Niedrigpotenzen) kaum noch etwas von der eigentlichen Substanz im fertigen Mittel enthalten ist. Nach ein paar Schritten mehr enthält ein homöopathisches „Mittel“ dann schon mehr Verunreinigungen aus dem verwendeten destillierten Wasser als angeblichen Wirkstoff. Nach 24 Verdünnungsschritten 1:10 (als D24 bezeichnet) oder 12 mal 1:100 (C12) wäre es ein extremer Zufall, wenn überhaupt noch ein einziges Atom der ursprünglichen Substanz enthalten ist. Im Fall von Globuli wird dann eine kleine Menge dieses geschüttelten Wassers auf die Zuckerkügelchen aufgesprüht. Nach dem homöopathischen Dogma nimmt die Wirkung dieser Kügelchen und damit die Wirkung des (ab D24) reinen Wassers mit jedem weiteren Verdünnen mit Wasser noch zu.

An dieser Stelle kann man die Betrachtung der Homöopathie aus physikalischer Sicht eigentlich auch beenden. Dass ein Wirkstoff vorhanden sein muss, um eine Wirkung zu haben, sollte normalerweise keine Erklärung mehr brauchen. Um sich aus diesem offensichtlichen Widerspruch zu grundlegenden Tatsachen der Natur herauszuwinden, schleppt die Homöopathie sich regelmäßig wiederholende Ausreden an: Nicht näher spezifizierte „Information“, „feinstoffliche“ oder „geistartige“ Wirkungen, oder eben… die Quanten. Wenn man solche Texte mit einer gewissen naturwissenschaftlichen Sachkunde liest, drängt sich in der Regel der Eindruck auf, die Autoren hätten etwas viel geistartige Getränke zu sich genommen – womit wir beim aktuellen Beispiel wären.

Die Autorin, die Australierin Christina Munns, nennt sich Diplom-Homöopathin und behauptet von sich, sie hätte Entdeckungen veröffentlicht zu physikalischen Fragen wie „dunkle Materie/Energie, Quantengravitation, Supersymmetrie, kardiozentrische Kosmologie und ein vereinigtes M-Theorie-Modell“. Unfreiwillig komisch ist die Platzierung der „kardiozentrischen Kosmologie“ mitten im Satz – einen solchen Begriff gibt es in der Physik nämlich gar nicht. Bevor wir jetzt das Nobelkomittee anschreiben, sollten wir einen Blick auf ihren Artikel werfen, um abzuschätzen, ob eine Hoffnung besteht, dass Frau Munns weiß, was ihre aufgelisteten Begriffe eigentlich bedeuten. Spoiler-Alarm: Es sieht nicht gut aus…

Die Grundidee von Frau Munns‘ Artikel ist, dass die Information der Ausgangssubstanz übertragen wird durch das Besetzen höherer Energiezustände in den Atomen der Lösung.

Elektronen befinden sich in einem Atom oder Molekül in bestimmten Energiezuständen, die auch als Schalen oder Orbitale bezeichnet werden und in den Anfängen der Quantenmechanik für Bahnen gehalten wurden, auf denen die Elektronen kreisen sollten. Führt man einem Elektron Energie zu, dann kann es in einen höheren, angeregten Energiezustand (auf eine äußere Schale oder in ein größeres Orbital) gehoben werden und je nach Energie und Art des Atoms oder Moleküls für eine kurze Zeit dort verweilen, bis es die Energie wieder abstrahlt und in den Grundzustand zurückfällt. In solchen höheren Energiezuständen sieht Frau Munns also die Information der Ursubstanz auf eine homöopathische Verdünung übertragen. Auch wenn Frau Munns immer von Atomen schreibt, soll es sich also offensichtlich um die Energiezustände von Wassermolekülen handeln, denn etwas anderes (insbesondere irgendwelche einzelnen Atome) kommt in der Lösung nach dem Verdünnen ja nicht mehr vor. Dabei schreibt sie ausführlich über die Bezeichnungen dieser Energiezustände, die sie offensichtlich von einigen Physiklernseiten im Internet abgeschrieben hat. Beim Versuch, ihren Mechanismus so zu erklären, verstrickt sie sich allerdings in eine Kette von Problemen, aus denen überdeutlich wird, dass sie das, wovon sie da schreibt, schlicht nicht verstanden hat.

Problem 1: Sie behauptet erst einmal, die höheren Energiezustände würden durch das Verschütteln besetzt, denn durch das Verschütteln würde den Elektronen Energie zugeführt. In Wirklichkeit ist die Energie, die man braucht, um Elekronen in höhere Energieniveaus zu bringen etwa in der Größenordnung der Energien, die in chemischen Reaktionen umgesetzt werden. Vergleichen Sie einfach mal die Energie, die Sie brauchen, wenn Sie 100 Milliliter Wasser schütteln, mit der Energie, die frei wird, wenn Sie 100 Milliliter Benzin verbrennen oder die Sie brauchen, um 100 Milliliter Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. Vergleichen Sie es gedanklich – probieren Sie es bitte nicht aus! Kleiner Tip: Mit den 100 Millilitern Benzin fährt ein Auto ungefähr 1500 Meter weit. Beim Verschütteln wird die Energie aber auch viel zu zufällig (und damit als Wärme) auf alle Wassermoleküle verteilt: Würde man dem Wasser durch sehr intensives Schütteln extrem viel Energie zuführen, dann würden die Wassermoleküle einfach verdampfen und nicht angeregt werden. Man kann auch sehen, dass das nicht funktioniert: Wenn man die Elektronen von Wassermolekülen durch Schütteln in angeregte Zustände bringen könnte, dann müsste Wasser bei sehr intensivem Schütteln anfangen zu leuchten. Das hat offensichtlich irgendwann jemand versucht, Frau Munns zu erklären, denn an anderer Stelle in ihrem Text schreibt sie nun, durch das Schütteln würde Sauerstoff mit dem Wasser vermischt, so dass dessen Elektronen die höheren Zustände besetzen. Das bringt uns direkt zu…

Problem 2: Frau Munns ist nach ihrem Text offenbar nicht klar, dass es ein Unterschied ist, ob höhere Energiezustände durch die Anregung von Elektronen aus niedrigeren Zuständen desselben Moleküls besetzt werden oder durch zusätzliche Elektronen aus anderen Molekülen. Tatsächlich schreibt sie, mit jedem Verdünnungsschritt würden zusätzliche Zustände besetzt. Elektronen sind aber negativ geladen, und die Zahl der Elektronen, die ein Molekül im neutralen Zustand enthält, ist durch die positiven Ladungen in den Atomkernen festgelegt. Die Moleküle müssten also immer stärker ionisiert, also negativ aufgeladen werden. Das Wassermolekül H2O kann jedoch nicht einmal ein einziges zusätzliches Elektron an sich binden. Wenn Wasser Ionen bildet, spaltet es sich in ein positives H+ und ein negativ geladenes OH – die Zahl der Elektronen ist in der Summe also immer noch konstant. Selbst Atome oder Moleküle, die mit Elektronen von außen negativ geladene Ionen bilden, tun das nur mit einer genau festgelegten Zahl von Elektronen, meist einem oder zwei. Zusätzlich angebotene Elektronen würden einfach nicht aufgenommen und hätten somit überhaupt keinen Effekt.

Problem 3: Sauerstoff gibt gar keine Elektronen ab – im Gegenteil. Wenn ein Atom oder Molekül ein Elektron an ein anderes abgibt, dann ist das eine chemische Reaktion, eine sogenannte Redoxreaktion. Molekularer Sauerstoff gehört zu den Stoffen, die in solchen Reaktionen am stärksten Elektronen aufnehmen – er gibt aber ganz sicher keine ab.

Problem 4: Was hat das Ganze mit der Ausgangssubstanz zu tun? Unabhängig davon, dass Sauerstoff keine Elektronen abgibt und Wasser keine aufnimmt, soll durch den behaupteten Prozess ja die Information von der Ursubstanz auf die Verdünnung, letztlich auf reines Wasser, übertragen werden. Die Ursubstanz kommt in der behaupteten Reaktion aber gar nicht vor. Und ehe ich Frau Munns hier auf irgendwelche Ideen bringe: Nein, Hundescheiße ist auch kein geeigneter Katalysator, um Elektronen von Sauerstoff- zu Wassermolekülen zu übertragen.

Problem 5: Welche Information soll da gespeichert sein? Frau Munns behauptet, ein Elektron könnte unendlich viele angeregte Zustände einnehmen. Sie erklärt dazu, die Zustände, die im nicht angeregten Zustand nicht von Elektronen besetzt sind, entsprächen denjenigen Verdünnungen, in denen kein Molekül der Ursubstanz mehr enthalten ist. Was unter dieser Entsprechung zu verstehen ist, erklärt sie nicht. Der einzige aus ihrem Text erkennbare Zusammenhang ist: Eine Besetzung dieser Zustände existiert in der Natur nicht, und der Wirkstoff existiert in der Verdünnung nicht, also muss beides dasselbe sein.

Problem 6: Wieviel Information soll so ein angeregtes Elektron speichern können? In den Anregungen der Wassermoleküle müsste ja zumindest irgendwie codiert sein, welche der zigtausend homöopathischen Ausgangssubstanzen denn verwendet wurde. In einem bestimmten angeregten Zustand eines Atoms oder Moleküls kann aber nur entweder ein Elektron oder kein Elektron sein. Wäre die Anzahl der im Prinzip verfügbaren Elektronen also beliebig, dann könnte man dennoch in jedem Zustand nur eine ja/nein-Information, also ein Bit, speichern. Frau Munns behauptet dazu, pro Atom seien unendlich vieler solcher angeregten Zustände denkbar, die jeweils eine solche Information tragen könnten. Rein rechnerisch stimmt das, aber der höchste denkbare Anregungszustand wäre natürlich, dass das Elektron sich ganz aus dem Atom löst und frei herumfliegt. Je höher der Anregungszustand, desto kleiner der Unterschied zu einem freien Elektron. Durch Unschärferelation und Tunneleffekt würde kein Elektron sehr lange in einem solchen extrem hohen Anregungszustand bleiben, sondern einfach davonfliegen, womit eine darin gespeicherte Information verloren wäre. Und damit sind wir auch schon bei…

Problem 7: Die Lebensdauer dieser Information. Offenbar auf Grund von Kritik an früheren Versionen des gleichen Textes spricht Frau Munns selbst das Problem an, dass Elektronen, die in höhere Zustände angeregt wurden, von allein nach kurzer Zeit wieder in den Grundzustand zurückfallen würden. An dieser Stelle nimmt sie also selbst offenbar wieder an, dass die höheren Zustände durch angeregte Elektronen aus dem eigenen Molekül besetzt werden und nicht wie zuvor erwähnt durch zusätzliche. Aus dem resultierenden Dilemma redet sie sich heraus, indem sie erklärt, die Energie des Schüttelns (jetzt ist es wieder die Energie des Schüttelns, nicht die der Elektronen aus dem Sauerstoff) bliebe aufgrund des Energieerhaltungssatzes in den angeregten Elektronenzuständen erhalten. Vom Energieerhaltungssatz, der von Freie-Energie-Jüngern gerne mal ganz vergessen wird, kennt sie aber offensichtlich auch nicht mehr als den Namen. Sonst müsste sie wissen, dass dieser nur für abgeschlossene Systeme gilt, in die keine Energie hinein und aus denen keine heraus gelangen kann. Ein Wassermolekül im Wasser ist aber alles Andere als ein abgeschlossenes System: Es kann Energie nicht nur über elektromagnetische Strahlung aufnehmen und abgeben, sondern auch ganz direkt als Bewegung/Wärme an die umliegenden Moleküle. Der Versuch von Frau Munns, sich vor einem physikalisch gut begründeten Einwand zu retten, offenbart am Ende also nur ihren krassen Mangel an Grundlagenwissen.

Im letzten Satz schreibt Frau Munns: „Ich glaube, dieser neue Einblick in die Physik des Verschüttelungsprozesses wird zu dem Ziel beitragen, zweifelsfrei zu beweisen, dass homöopathische Medizin tatsächlich ein valides Medizinsystem ist, wenngleich auf Physik auf der Quantenskala basierend.“ Tatsächlich beweist ihr Text einmal mehr die absurden Verdrehungen von Physik, die Homöopathen beim Versuch bemühen, ihr noch absurderes Pseudomedizinsystem mit elementaren Naturgesetzen unter einen Hut zu bringen.

Immerhin muss man Frau Munns eines zugute halten: Aus ihrem Text ist deutlich zu erkennen, dass sie den hanebüchenen Unsinn, den sie verbreitet, tatsächlich auch selbst glaubt. Niemand, der absichtlich versuchte, seine Leser durch pseudophysikalische Phrasen und sinnfreie Gleichungen zu blenden, würde dermaßen erschreckende eigene Wissenslücken so offen zu Tage treten lassen.

 

13 Gedanken zu „Homöopathie und die Quantendynamik des (Kopf-) Schüttelns“

  1. Mehr Beweise, dass die Homöopathen die Quantenmechanik auch nur andeutungsweise begriffen haben, braucht es wirklich nicht.
    Ist auch ein viel zu schwerer Stoff für schlichte Gemüter, die in einer magischen Vorstellungswelt leben.
    Wenn der Zauberer einen Trank zusammengeschüttelt hat, dann hat der Zaubertrank gefälligst zu TUN, was der Magier WILL! Nichts anderes, sondern genau DAS, was der Zauberer ihm aufgetragen hat.
    Dumm nur, dass der Trank nicht wirkt, wenn Nicht-Zauberer ihn prüfen.

  2. Tja. Im Wasser nichts Neues, bleibt zu konstatieren.
    Allerdings hätte mich noch interessiert, wie sich denn Frau Munn die Dekodierung ihrer allfälligen unendlich vielen Elektronenzustände im menschlichen Körper so vorstellt. Gibt es einen mikrobiologisch irgendwo zu verortenden Katalog tausender Signalmuster, also „Handlungsanweisungen“, die darauf reagieren, wenn die Information „hier kommt einmal Elektronenzustand X“ in den Körper gelangt? Wie gelangt diese Information an ein solches „Target“? Wie wird die decodierte Information über das, was an Heilkraft jetzt freigesetzt werden soll, an alle relevanten Zellen übertragen? Reicht die geringe Menge solcher Information in Globuli, gibt es sie überhaupt noch, nachdem der letzte Verarbeitungsschritt darin besteht, die Zielpotenz auf den Globuli verdunsten zu lassen? Letzteres würde eigentlich ein weiteres Erklärungsmodell notwendig machen, wie die Elektronenzustandsinformation des Wassers auf Zucker übertragen wird…

    Man braucht also nur weiterdenken, um schon wieder zu stolpern – über die Codierung hinaus auch die Decodierung ins Auge fassen. Eine Erklärung dafür – also für das, was man insgesamt Wirkungsmechanismus nennt – liefert Frau Munn überhaupt nicht. Ihre Überlegungen sind – abgesehen von ihrer haarsträubenden Unsinnigkeit – also ohnehin Stückwerk.

    1. Was im Körper damit passiert, schreibt sie schon: Die Information der Ursubstanz wird über Wasserstoffbrückenbindungen (das Wort hat sie offensichlich irgendwo gelesen) auf die DNA des Patienten übertragen.

  3. Ich habe ja die Quantenmechanik nie wirklich verstanden. Aber wenigstens soviel mit bekommen, dass die Sprache er Quantenmechanik höhere Mathematik ist.
    Der Artikel von Munn kommt ohne formalen Apparat aus, wenn mal von einigen Zitaten auf dem Niveau Schwerpunktfach Chemie an Gymnasien absieht.
    Ignoranter geht nimmer!

    1. Lustig, dass Herr Brunke jetzt schon die Kommentarfunktion meines Blogs benutzt, um für seinen Unsinn Werbung zu machen. Da sich anders als für den Unsinn von Frau Munns für Herrn Brunkes Unsinn eigentlich nur Herr Brunke interessiert, über den ich hier https://quantenquark.com/blog/2017/01/01/wie-man-quantenquark-potenziert/ schon alles geschrieben habe, was zu Herrn Brunke zu schreiben ist, bleibt mir zu dem hier beworbenen Artikel nur auf eines hinzuweisen: Zu Walach und seiner schwachen Quantentheorie, für die sich außerhalb von Skeptikerkreisen auch nicht wirklich jemand zu interessieren scheint, habe ich hier im Blog und vor allem im Buch auch schon wesentlich mehr geschrieben, als sich eigentlich zu wissen lohnt.

  4. Guten Abend, danke für den Artikel, fand ich „klärend“!
    (auch wenn Sie sich die Tina-Turner-Polemik wirklich hätten sparen können, finde ich, -war ja gar keine Homöopathie)

    Könnten Sie -für einen Physik-Analphabeten- noch kurz zwei erhellende Sätze zu Ihrem Satz: „Wenn man die Elektronen von Wassermolekülen durch Schütteln in angeregte Zustände bringen könnte, dann müsste Wasser bei sehr intensivem Schütteln anfangen zu leuchten.“ schreiben? warum wäre das so? im angeregten Zustand oder im wieder „Zurückfallen“ der Elektronen? Danke für die Nachhilfe.

    Zudem, ich kenne Brunke nicht, habe deshalb mal vorurteilslos den Physiker Baumgartner nachgeschlagen.
    Dessen Experimente erscheinen ja zunächst wirklich seriöser: (leider schon von 2011)
    https://www.informationen-zur-homoeopathie.de/?p=417
    Und vorschnelle Erklärungen gibt er auch nicht.

    Hätten Sie da auch Kritik?
    Bin Ärztin, wende keine Homoöpathie an, aber versuche für mich gerade bestimmte Fragen zur Wissenschaftlichkeit der Allgemeinmedizin zu klären.

    Mit freundlichen Grüßen.

    1. Damit wir uns nicht falsch verstehen – zur Wissenschaftlichkeit der Allgemeinmedizin gibt es sicherlich genug Kritikpunkte… nur eben auf einem ganz anderen Niveau, als wir uns hier bewegen. Wenn die Studien an Patienten stattfinden müssen, ist es aber auch zwangsläufig schwer, wissenschaftliche Kriterien konsequent durchzuhalten. Man kann eben nicht beliebig Experimente wiederholen, ohne jemandem potentiell Schaden zuzufügen, aber genau das müsste man eigentlich tun, um den großen Streubreiten in einem biologischen System gerecht zu werden. Letztlich ist ja der ganze Ansatz der „evidenzbasierten Medizin“ nur ein Versuch, in diesem Dilemma die bestmögliche Wissenschaftlichkeit von Aussagen zu erreichen.

      Zu den angeregten Zuständen: Wenn Elektronen aus den angeregten Zuständen in den Grundzustand zurückfallen, wird Energie frei, die als elektromagnetische Welle abgegeben wird. Das ist letztlich genau die Energie, die bei der Anregung aufgenommen wurde. Je nachdem, wie groß diese Energie ist, ist diese elektromagnetische Welle entweder Infrarot, sichtbares Licht, UV oder Röntgenstrahlung. Eine Röntgenröhre macht auch nichts anderes. Mit sehr wenigen Ausnahmen (sog. Phosphoreszenz) sind diese angeregten Zustände aber extrem kurzlebig, das heißt, das Zurückfallen erfolgt kaum messbar schnell nach der Anregung. Die Wellenlänge der Strahlung ist auch spezifisch für die Anregung, das heißt, welche Anregung vorgelegen hat, kann man einfach an der Wellenlänge (Farbe) der emittierten Strahlung ablesen. Für häufige Moleküle wie Wasser sind alle Anregungszustände und die auftretenden Wellenlängen auch seit langem genau vermessen.

      Mit Baumgartens Wasserlinsenexperimenten habe ich selbst mich nie näher beschäftigt. Das ist ja auch eher ein biologisches Thema. „Leider schon von 2011“ ist allerdings der entscheidende Punkt. Seitdem gab es nämlich diverse Versuche, Baumgartens Ergebnisse zu replizieren – nur kamen die nie zu ähnlich positiven Ergebnissen. Die Veröffentlichungen dazu sind hier in den Fußnoten referenziert: http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Oft_geh%C3%B6rte_Argumente_-_Verweise_auf_konkrete_Studien_und_Experimente#Wasserlinsenexperimente_von_Stephan_Baumgartner Entweder sind also alle andern zu blöd, seine simplen Experimente nachzumachen, oder er hat schlichtweg Zufallsergebnisse veröffentlicht. Es deutet auch einiges darauf hin, dass er bewusst solche zufällig positiven Ergebnisse ausgewählt und andere schlicht nicht veröffentlicht hat. Zum Beispiel hat er in seiner Publikation viel mehr Kontrollproben (ohne Wirkstoff) angegeben, als er Proben mit Wirkstoff hatte, was ein unsinniges Vorgehen wäre – außer, es hätte noch viel mehr Proben mit Wirkstoff gegeben, die in der Auswertung fehlen. Gleichzeitig enthalten seine Proben viele in der Homöopathie völlig unübliche Potenzen, während viele gängige Potenzen fehlen. Das legt die Vermutung nahe, dass er Potenzen, bei denen die Ergebnisse nicht zu seinen Erwartungen passten, in der Veröffentlichung einfach weggelassen hat. So bekommt man eine manipulierte Gesamtstichprobe, die scheinbar ein statistisch signifikantes Ergebnis hat, obwohl die Einzelmessungen alle im Rahmen der normalen Streubreite sind.
      Nachzulesen hier https://www.skeptiker.ch/ist-die-wirksamkeit-der-homoopathie-endlich-wissenschaftlich-bestatigt-und-heilt-homoopathie-krebs/ (etwa ab der Mitte des Artikels) bei Marko Kovic und sehr ausführlich hier http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=280 bei Norbert Aust, der bei Interesse normalerweise auch immer sehr offen für Rückfragen ist. (Die Anmerkung zur Messapparatur eingangs des Aust-Artikels bezieht sich auf einen von noch mehreren anderen Kritikpunkten, die ich mir hier gespart habe).

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