Wer mich hierfür bezahlt und warum Quantenquark werbefrei ist

Ich bekomme ja gelegentlich mal Fanpost der… äh… unterhaltsameren Art. In der vergangenen Woche hatte ich zum Beispiel innerhalb von zwei Tagen zwei Mails mit Bezug zu unterschiedlichen Artikeln, deren Schreiber sich beide Gedanken über meine Einkommensquellen machten:

Guten Tag Herr Hümmler
Oder sollte man sagen Himmler, ich habe ihren Beitrag über Herrn Prof. Dr. Turtur gelesen und habe mich gefragt woher es wohl kommen mag das ein einfacher Doktor wie sie es sind die Wissenschaftlichen Erkenntnisse eines Professoren derart in den Schmutz zieht.?
Ich fragte mich, wer wohl ihren Lohn bezahlt damit sie einen Professoren derart schlecht darstellen.?

Auch der zweite Mailschreiber ist offensichtlich nicht nur von Geld, sondern auch von akademischen Titeln besonders faziniert:

Zunächst einmal wäre zu erwähnen, dass es unverständlich erscheint, dass sich ein Individuum mit diesen Qualifikationen nebst Tätigungsbereich
herab läßt und sich in >Meinungsbildende Prozesse< einschleicht, die eigentlich den Medien oder der Politiker-Kaste eigen sind.
Dies ist eigentlich nur zu erklären, wenn hier astronomische Summen fließen, denn ein >Promovierter< weiß sehr wohl, dass die aktuelle Abwendung des Volkes von der herkömmlichen Manipulation , in allen Bereichen, nicht mehr umkehrbar ist.

Nun muss ich sagen, es geht es mir ein bisschen so wie meinen Freunden vom Informationsnetzwerk Homöopathie, bei denen auch irgendwie die Pharmamillionen nie ankommen, mit denen sie angeblich geschmiert werden. Sollten Sie also zufällig wissen, wer mir meine astronomischen Summen von der Deutschland GmbH vorenthält, geben Sie mir doch bitte mal Bescheid…

Um es nochmal deutlich zu sagen: Das hier ist mein Hobby. Ich schreibe diesen Blog und meine Bücher in meiner Freizeit. Ich lebe von meiner selbstständigen Tätigkeit als Zukunftsplaner, die mit meinen skeptischen Freizeitaktivitäten absolut nichts zu tun hat. Wenn überhaupt laufe ich Gefahr, esoterikgläubige potentielle Kunden durch mein Hobby zu verprellen, und wenn ich noch bei einem großen Beratungsunternehmen angestellt wäre, dürfte ich diesen Blog wahrscheinlich gar nicht betreiben.

Durch die Bücher bringt mein Hobby inzwischen auch tatsächlich ein paar Einnahmen. Damit Sie das mal einschätzen können: Ein Sachbuchautor bekommt  typischerweise so um 10 Prozent des Ladenpreises als Honorar, und die Auflagen sind in dem Segment nicht riesig. Wenn 1000 Bücher verkauft sind, ist der Verlag in der Regel schon mal glücklich. Seit es die Bücher gibt, ist sogar gelegentlich mal eine Universität, ein Träger der Volksbildung oder eine Buchhandlung bereit, für einen Vortrag ein Honorar zu zahlen. Das ist in der Summe ein nettes kleines Zubrot, aber einen Stundenlohn rechnet man für das alles besser nicht aus. Will ich auch nicht. Es ist eben ein Hobby.

Und so stellt sich natürlich auch die Frage, wie trägt dieser Blog seine Kosten, und die Antwort ist, gar nicht, abgesehen davon, dass er vielleicht jemanden dazu animiert, eins meiner beiden Bücher zu kaufen. Wenn ganz viele das Quantenquark-Buch direkt über den Link zu Springer rechts oben kaufen, kommt vielleicht irgendwann genug von der kleinen Provision dafür zusammen, dass ich die auch tatsächlich ausgezahlt bekomme. Dafür müssten glaube ich mindestens 15 Euro zusammenkommen, die bisher wohl nicht erreicht sind – es lohnt sich aber auch nicht unbedingt, das dauernd nachzusehen.  Natürlich kann man auf Webseiten Werbung schalten und darüber (bei für den Leser noch erträglicher Bannerwerbung sehr bescheidene) Einnahmen generieren. Da es sich dafür aber nicht lohnt, seine Werbekunden selbst zu akquirieren, macht man das in der Regel über Drittanbieter wie Google Ads. Nach europäischem Recht hat man damit allerdings eine Verantwortung für den Datenschutz bei Google, den man gar nicht kontrollieren kann. Diese Verantwortung kann man dann wieder versuchen, mit 25 Seiten Legalesisch in der Datenschutzerklärung auf den Google und den Leser abzuwälzen. Dann hat man allerdings immer noch das Problem, dass die Seite mit den Anzeigen unter Umständen so aussieht:

Um nicht missverstanden zu werden: Ich finde Scienceblogs mit fast allen, die darauf schreiben, absolut großartig. Ich habe mir auch schon böse Blicke von einem angesehenen Medienjournalisten der FAZ eingehandelt, weil ich ihm ins Gesicht gesagt habe, dass die Wissenschaftsteile der großen Zeitungen sich lange strecken müssen, um an die Qualität der „Amateure“ bei Scienceblogs heranzureichen. Schon früh einer der Hauptgründe, warum ich das Wissenschafts-Blogportal so geschätzt habe, war der großartige Florian Freistetter, mein absolutes Vorbild als Blogger.

Natürlich muss sich auch ein Portal wie Scienceblogs finanzieren, und wenn Google-Werbung dafür der praktikable Weg ist, ist das das gute Recht der Betreiber. Aber man hat dann eben überhaupt keine Kontrolle, wessen Werbung auf der Seite auftaucht. Dass der Google-Algorithmus zu Florians skeptischem Astronomieblog einen Mondkalender anbietet, der die Frage beantworten soll, wann der Mond für die Gesundheit am günstigsten steht, ist ja durchaus witzig. Dass jemand für eine Anzeige zu kostenlosen Pflegehilfsmitteln ausgerechnet ein Bild des Meme-Phänomens „Hide the Pain Harold“ verwendet, fänden wahrscheinlich auch manche Quantenquark-Leser amüsant. Worauf ich aber definitiv keine Lust hätte, ist, dass hier rechtschreibschwache Werbung für ein fragwürdiges Bitcoin-Geschäftsmodell unter Verwendung der Namen von „Höhle der Löwen“ oder anderen Fernsehsendungen und Prominenten auftaucht, nachdem Mimikama seit 2018 mehrfach vor Angeboten dieser Art gewarnt hat. Inzwischen sprechen die an sich sehr vorsichtigen und sachlichen Fake-News-Warner aus Österreich im Zusammenhang mit Werbung dieser Art sogar ganz deutlich von Betrug.

Dass das nicht nur ein Problem von Google ist, sondern auch andere Internetunternehmen Schwierigkeiten mit dem Platzieren geeigneter Werbung haben, sieht man daran, dass zum Beispiel Facebook nach Reiki-Kursen, einer Heilpraktikerausbildung und einem freie-Energie-Generator inzwischen sogar versucht hat, mir ganz reale Aluhüte zu verkaufen:

Insofern, solange ich nicht sicher sein kann, dass Werbung seriös ist und auch wirklich zur Ausrichtung der Seite passt, wird Quantenquark eben werbefrei bleiben. Das heißt im Umkehrschluss allerdings auch, dass Sie mit meinem unprofessionellen Seitendesign aus WordPress-Standards werden leben müssen, weil ich mir zwar den Betrieb der Seite, aber ganz sicher keinen professionellen Webdesigner dafür leisten kann. Das passt ja irgendwie auch ganz gut dazu, dass es eben ein Hobby ist – und bleiben soll.

16 Gedanken zu „Wer mich hierfür bezahlt und warum Quantenquark werbefrei ist“

    1. Laut Satzungen sind die GWUP und ich meine auch die gbs genau das.
      Wobei hoffentlich keine GWUP-Regionalgruppe Angst hat, mich anzufragen, weil die Aktiven vor Ort meinen, ohne Honorar wäre ich gar nicht bereit zu kommen.

  1. ein einfacher Doktor

    Hat ein DoppelDoktor ständig einen neben sich stehen?

    mit meinem unprofessionellen Seitendesign

    Also bitte, es gibt ja noch professionell(2) – und mit der Lesart wird ein geschicktes Lavieren um die Fallgruben des Ungewollten, Datenstreuenden, Trafficfressenden und Lustverderbenden zu Recht recht positiv bewertet.
    Da hinten schrieb jemand einen Text aus ähnlichem Beweggrund.

    ganz reale Aluhüte

    Na·na·na, nix Alu, versilberte Baumwolle, auch für die heilige Unterwäsche. Macht die Sache keinen Deut besser, doch immerhin wird versucht, Versilbertes zu versilbern – sportlich.

  2. Die nüchtern sachliche Gestalt dieses Blogs und der bewußte Verzicht auf Werbung ist eine Wohltat. Einzig die Darstellung ausführlicher Artikel in voller Länge, ohne „weiterlesen…“ Link nach ein paar Absätzen erschweren die Navigation. Als Beispiel zu nennen wäre „ Alle paar Jahre grüßt das 11.-September-Murmeltier“. Ich behelfe mir auf dem mobilen Endgerät mit einem RSS Reader.

    1. Nüchtern-sachlich ist hoffentlich nur die äußere Gestalt. Bei den Texten möchte ich ja gerade fundiert sein, ohne allzu nüchtern zu werden.
      Das mit dem „Weiterlesen“-Link ist so ein Beispiel des selbstgestrickten Designs auf Basis eines Standard-Wordpress-Themes. Falls Du einen Tip hast, wie man das mit überschaubarem Aufwand im ansonsten bestehenden Theme ändern kann, setze ich das gerne um.
      Tatsächlich bin ich bei RSS in der Regel froh, wenn ich den ganzen Artikel im Reader angezeigt bekomme, ohne mich auf „Weiterlesen“ durchzuklicken. Das liegt allerdings daran, dass „Weiterlesen“ auf vielen der Nachrichtenseiten, die ich über den RSS-Reader lese, direkt in die Werbe-und-Einverständnis-Popup-Hölle führt…

  3. Schnäppchen

    Nuja, bei den ENKIs müssen ja auch Lizenzen bis ins alte Sumer zurück gezahlt werden. Dafür kräuselt sich die Hornhaut beim Anblick des Oxymorons ‚Bandana-Haube‘ und das Hirn meckert irgendwas in der Art ‚die streuen feinen Sand ins Gewebe, deklarieren verdreckt als hilfreich, erklären Mikrowellen zum Infrarot („bis 1000 Mikron“) und postulieren relevante Rückstrahlung von auf ~37°C erwärmten Bröseln – die sollen sich mal bei Elstein oä die Datenblätter anschauen. Falls sie verstehend lesen können.‘

    ~•~

    Zu der Artikelkürzung für die ÜbersichtsSeite fand sich dort etwas. Fragt sich selbstverständlich, ob das mit TwentySixteen.Quarkchild auch so einfach geht. Übrigens ne hübsche Kindesbeschreibung: „noetig wegen der Scheiss-D*“ :•)
    Hier im blog fällt ua angenehm auf, daß die ‚AnpackEcke‘ des Kommentarfeldes nicht ins danach unerreichbare off gezogen werden kann wie zB bei den ScienceBlogs().

    [sorry für Doppel, nick/mail vergessen :·/]

    1. Naja, da ich schon relativ früh bei Inkrafttreten den Blog einigermaßen DSGVO-fest machen wollte (und einige Anforderungen sind ja immer noch nicht gerichtlich geklärt), hat mir das einiges an Arbeit gemacht, und den Ärger habe ich an ein paar Stellen rausgelassen. Zumal die DSGVO-Festigkeit bei vielen anderen Seiten bei mir als Leser dazu führt, dass ich erstens meine Cookies nicht mehr automatisch lösche, um nicht ständig wieder lästige Präferenzen setzen zu müssen, und zweitens z.B. auf Seiten einiger amerikanischer Lokalzeitungen gar nicht mehr zugreifen kann (extra dafür Proxies zu nutzen, ist mir dann doch zu viel Aufwand).
      Was die Bandanahaube angeht, ist das, was die da schreiben, immerhin eine zwar physikalisch sehr aufgeblasene aber nicht ganz falsche Beschreibung der Funktion einer Mütze.

    2. Dein letzter Satz entspricht auch ungefähr meinem Eindruck beim Erstbestaunen – deswegen wurde, noch leicht behindert durch ein extrabreites Dauergrinsen, als Füllwort das ‚relevante‘ gewählt.
      -/-
      Zur KeksdosenVerwaltung hat sich hier nichtzeichnendes CAD bewährt. Nur cookies aus (tab offen|whitelist) bleiben erhalten.

      [jetzt endlich auch hiesiges Gebäck überlebensfähig gemacht]

  4. „Falls Du einen Tip hast, wie man das mit überschaubarem Aufwand im ansonsten bestehenden Theme ändern kann, setze ich das gerne um.„

    im Code-Editor des Beitrags an der Stelle setzen, an dem der Beitrag „abgeschnitten“ werden soll. Habe gerade ein WordPress Blog testweise eingerichtet, um es zu testen. Funktioniert.

    /// nachfolgendes muss nicht im Kommentar freigeschaltet werden: http://www.automatischausfuellen.car.blog ist der Testblog (war die einzige kostenlose Domain…) auf dem zwei Beiträge zu sehen sind. 0001 und 0010. 0001 hat 14 Absätze Text, aber nur der erste Absatz wird angezeigt. 0010 hat 6 Absätze Text und man sieht alles. ///

    1. Der HTML Code wurde natürlich nicht in den Kommentar übernommen…

      „“ muss es lauten.

      Ich schreibe es nochmal in einzelnen Zeilen:

      Falls es immernoch nicht dargestellt wird, ich habe es auch nochmal per email geschickt.

    2. Wird es nicht, aber ich habe die Mail bekommen, vielen Dank. Werde ich in den nächsten Tagen mal ausprobieren, bei den längeren Artikeln.

  5. ich out mich, auch ich gehöre zu den Unterstützern die ihren Reichtum finanzieren *ironiemodeoff* 😉
    einfach mal ein herzliches Dankeschön für diesen Blog und für das Buch über den Quantenquark, ein Lob insbesondere für Ihre unterhaltsame und sehr verständliche Erzählweise…

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