Die schnellste Massage der Welt

Inzwischen, gleich im neuen Jahr, ist es ja doch noch Winter geworden in Deutschland, und gerade wenn man sich in den Bergen aufhält, tut ein Saunabesuch in Verbindung mit einer Massage sicher gut. Ab Freitag wird in Ruhpolding der Bedarf an Massagen wohl noch höher sein, denn dann beginnt der 4. Biathlon Weltcup dieser Saison. Vielleicht ganz passend für Schützen, gibt es da gerade in Ruhpolding ein ganz besonderes Angebot:

tachyonmassage

Eine Massage mit Hilfe überlichtschneller Teilchen… Das ist natürlich interessant. Die nicht existenten Meridiane und die nachweislich beliebig austauschbaren Akupunkturpunkte lassen wir an dieser Stelle mal beiseite. Da hier eindeutig von Quantenphysikern die Rede ist, kann in diesem Fall jedenfalls niemand behaupten, die Tachyonen seien nur eine Metapher und es sei eigentlich etwas ganz anderes gemeint.

Dummerweise werden Tachyonen von Quantenphysikern aber nicht als Quelle aller Materie angesehen, sondern eher als ein Zeichen dafür, dass eine Theorie noch nicht richtig ausgegoren ist und wahrscheinlich nicht viel mit der Realität zu tun hat. Nach Teilchen, die schneller sind als das Licht, wird inzwischen immerhin seit über 100 Jahren erfolglos gesucht, obwohl sie eigentlich in jedem größeren Teilchenexperiment hervorstechen müssten wie ein Süßwassersee in der Sahara. So gilt es in der Physik als ein Merkmal einer vielversprechenden Theorie, dass sie „tachyonenfrei“ ist, also keine Tachyonen braucht, um in sich schlüssig zu sein.

Rein mathematisch bekommt man überlichtschnelle Teilchen übrigens durchaus auch in der Relativitätstheorie unter, wenn man unbedingt will. Mann muss nur annehmen, ihre Masse sei imaginär, also ein Vielfaches der Wurzel von -1. Dass man etwas mathematisch rechnen kann, heißt aber noch lange nicht, dass es auch existiert. Der Abfallhaufen der Wissenschaft ist voll von Theorien, die mathematisch korrekt sind, aber nichts mit der Realität zu tun haben. Insofern kann man wohl davon ausgehen, dass reale Teilchen auch eine reale Masse haben und die Teilchen mit der imaginären Masse sehr wahrscheinlich auch selbst imaginär sind.

Mein Artikel zu Tachyonen-Quark im Skeptiker 4/2002 ist leider noch nicht online verfügbar – vielleicht kommt das ja noch. Dafür gibt es von Florian Freistetter einen wunderbaren Artikel, in dem er etwas ausführlicher ausarbeitet, was es mit Tachyonen auf sich hat und warum man die nicht in Bergkristallen einfangen oder damit massieren kann. Wer etwas anderes behauptet und sich dann auch noch auf Quantenphysiker beruft, muss einen experimentellen Beweis vorbringen, dass seine Tachyonen tatsächlich existieren – sonst sind sie eben doch nur Quantenquark.

 

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