Leider noch was zu Arvay

Nach dem Artikel über Clemens Arvay vom letzten September hatte ich mir vorgenommen, die Aktivitäten dieses Menschen nicht mehr weiter zu kommentieren, um ihm nicht noch zusätzliche Aufmerksamkeit zuzuleiten. Ich habe ihn dann nur noch beiläufig in Antworten auf die Kommentare zu anderen Artikeln erwähnt und bei wichtigen Themen den früheren Artikel aktualisiert.

Update 14.6.21: Falls jemand das gerade aktuelle Arvay-Video durchlitten hat und eine Einordnung von seriöser Seite sucht oder einfach wissen möchte, welcher Unsinn dort jetzt wieder herumgeistert, dem kann ich den folgenden Twitter-Thread (für die Nicht-Twitterer: ein Twitter-Posting samt einer Reihe von Antworten, auch ohne Twitter-Anmeldung sichtbar) von @DerGraslutscher empfehlen.

Da er die Aufmerksamkeit dank der Beihilfe des Lübbe/Quadriga-Verlags, seiner vielen Fans aus der Querdenker-, QAnon– und Reichsbürgerszene und diverser willfähriger Journalisten nun ohnehin bekommen hat, hat sich dieser Vorsatz inzwischen erledigt. Lust auf einen ausführlichen, kommentierenden Artikel habe ich aber immer noch nicht, also liste ich einfach mal auf, was sich in letzter Zeit so alles ereignet hat. Das ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung einzelner Beobachtungen – erwartet also keinen durchdachten Artikel.

  • Nachdem Arvay seine Fanboys inzwischen mehrfach in weinerlichen Videos gegen mich aufgewiegelt hat, werde ich von denen mehr als sechs Monate nach meinem Artikel über ihn immer noch auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen belästigt, womit sich inzwischen auch schon die Staatsanwaltschaft beschäftigen musste.
  • Da er seit vergangenem Jahr ja immer wieder darauf aufmerksam gemacht wurde, dass einen ein Abschluss in Agraringenieurwesen mit einer Masterarbeit zu einem soziologischen Thema nicht zum Biologen macht, hat sich Arvay von der European Countries Biologists Association ein Zertifikat als „European Professional Biologist“ ausstellen lassen, mit dem er jetzt ständig in den sozialen Netzwerken herumwedelt. Dazu ist er offenbar auch der Austrian Biologist Association (ABA) beigetreten, was tatsächlich ein seriöser Fachverband ist. Nachdem deutlich wurde, wozu Arvay seine Mitgliedschaft benutzt, hat sich die ABA am 16. April sehr nachdrücklich von seinem Gedankengut distanziert und sich zu Covid-Impfungen und den Aussagen der entsprechenden wissenschaftlichen Institutionen bekannt – vorsichtshalber ohne Arvays Namen zu nennen, aber inhaltlich klar erkennbar.
  • Wo er jetzt ja das Zertifikat hat, hat Arvay auch erklärt, er habe eine Doktorarbeit in Biologie begonnen – er will also offenbar doch noch versuchen, zu lernen, wie man wissenschaftlich arbeitet. Dazu behauptet er: „Ich habe zuvor noch nie ein Doktorat begonnen und habe auch nie eine Dissertation abgebrochen.“
    Das ist allerdings irgendwie seltsam, denn für sein Buch „Der Biophilia-Effekt“ wurde schon seit mindestens 2016 (und auch noch vor vier Wochen) mit der Aussage geworben, er arbeite an einem Doktorat in Medizinwissenschaft über ein ganz anderes Thema. Nachzulesen war das auf der Homepage seines eigenen Verlags. Mir würde ja auffallen, wenn einer meiner Verlage in der Darstellung eines meiner Bücher mit falschen Behauptungen zu meiner Biographie werben würde. Da fragt man sich doch, von wem der Verlag die Biographie seines Autors denn bekommen hat.
    Dort ist auch nachzulesen, dass sich Arvay zu seinem Buch ein Vorwort von Rüdiger Dahlke hat schreiben lassen. Dahlke verbreitet unter anderem den Verschwörungsmythos, dass wir alle im Auftrag diverser Regierungen von Flugzeugen gezielt mit Giften (Chemtrails) besprüht würden. Auf dem rechtsesoterischen Quer-Denken-Kongress in Friedberg 2015, von dem damals führende NPD-Funktionäre begeistert berichtet haben, erklärte Dahlke, (ähnlich wie in diesem Video) wir hätten zu viel Demokratie und zu wenig Hierarchie.
  • Inzwischen ist ja auch Arvays lange angekündigtes Anti-Impf-Buch erschienen. Dr. med. Jan Oude-Aost (einer der Autoren des sehr viel empfehlenswerteren Buchs Fakten-Check Impfen)  hat es in drei Artikeln auf eingeimpft.de (1 2 3) ausführlich auf seinen Wahrheitsgehalt überprüft. Ich finde es bewundernswert, wie Jan Oude-Aost es schafft, ein so vernichtendes Ergebnis so respektvoll und wertschätzend zu formulieren. Ich hoffe, meine Leser hier erwarten das nicht auch von mir.
  • Ein lustiges Falschmeldungs-Spiel gab es im April zwischen Arvay und der Frankfurter Rundschau. Zunächst, am 8. April, brachte FR-Wissenschaftsredakteurin Pamela Dörhöfer eine vollkommen unkritische Rezension über Arvays inhaltlich, wie schon erwähnt, höchst mangelhaftes Anti-Impf-Buch. Vier Tage später berichtete dieselbe Autorin dann über eine israelische Studie zur Wirksamkeit von Impfungen gegen unterschiedliche Virusvarianten. Die Erkenntnis aus der Studie ist eigentlich weder sonderlich neu noch schwer zu verstehen: Aktuelle Impfstoffe schützen gegen alle Virusvarianten, aber gegen die „südafrikanische“ B.1.351 (vor allem in den ersten zwei Wochen nach der Impfung) nicht ganz so herausragend gut wie gegen die bei uns vorherrschende „britische“ B.1.1.7. In der Rundschau wurde daraus für mehrere Tage die falsche Aussage, „dass sich Geimpfte häufiger als Ungeimpfte mit der südafrikanischen Variante infizierten.“ Arvay sprang auf die Falschmeldung (die er als angeblicher Experte doch eigentlich sofort hätte erkennen müssen…) nicht nur auf, sondern setzte noch eins drauf:

    Infektionsverstärkende Antikörper, also der bei einigen wenigen Viren auftretende Effekt, dass bestimmte Reaktionen des Immunsystems dem Virus seine Arbeit erleichtern anstatt sie zu verhindern, gehören logischerweise zum Ersten, wonach man bei einem neuen Impfstoff lange vor der Zulassung sucht. Dass sie bei SARS-CoV-2 (und zwar bei allen bekannten Varianten) keine relevante Rolle spielen können, zeigt sich aber auch schon daran, dass die zugelassenen Impfstoffe vor allen Varianten schützen – nur eben nicht vor allen gleich gut.
    Um den 21.4. herum wurde der Artikel auf der Seite der FR dann stillschweigend korrigiert – und war kurz darauf von Arvays Facebookprofil spurlos verschwunden.
  • Es gibt tatsächlich auch Zeitungen, die die Mängel in Arvays Behauptungen deutlich ansprechen, zumindest in seiner Heimat Österreich. Im Zusammenhang mit Covid-19 und der Querdenkerbewegung ist allerdings auch der Blog Volksverpetzer.de zu empfehlen, der nicht nur die Fehler in der Frankfurter Rundschau und die Löschung kritischer Kommentare (unter anderem von mir) durch die FR ausführlich aufgearbeitet hat. Auch zu Arvays absurder Agitation gegen die Wissenschafts-Erklärvideos von MaiLab gibt es dort zwei sehr lesenswerte Artikel. Wer mich kennt, kann sich denken, dass ich kein besonderes Interesse damit verbinde, einen deutlich linken Politblog zu promoten, aber gerade bei allem, was mit Covid und den damit verbundenen Verschwörungsmythen zu tun hat, sind die Qualität der Recherchen und die journalistische Aufarbeitung beim Volksverpetzer wirklich hervorragend und stellen die Arbeit vieler etablierter Medien deutlich in den Schatten.
  • Falls jemand tatsächlich noch Zweifel hatte, dass es sich bei Clemens Arvay  um einen Hardcore-Querdenker handelt, empfehle ich mal einen Blick darauf, wie er auf der Facebook-Seite von ORF 2 das Gedenken an die Opfer der Pandemie verhöhnt, von „hunderttausenden“ Toten durch den Lockdown halluziniert und sich dann auf seiner eigenen Seite auch noch damit brüstet:
    Um die wirren Behauptungen zu Malaria und Hunger mal in Perspektive zu rücken: Innerhalb eines Jahres sterben laut Global Burden of Disease Monitor weltweit rund 140.000 Menschen an Unterernährung und knapp 600.000 an Malaria. Wie sich diese Zahlen durch Maßnahmen gegen Covid-19 nennenswert verändern sollen, erscheint mir nur im Rahmen eines völligen Realitätsverlusts durch Versinken im Verschwörungsglauben nachvollziehbar. Innerhalb der letzten 12 Monate wurden dagegen allein schon rund 3 Millionen Todesfälle durch Covid-19 offiziell erfasst. Hinzu kommen  diejenigen Covid-Toten in Entwicklungsländern, die nie diagnostiziert werden, weil sie ohne ärztliche Versorgung zu Hause gestorben sind – und dazu noch sämtliche Covid-Toten in Ländern wie Tansania, Nicaragua oder Nordkorea, wo überhaupt nicht getestet wird.
  • Interessant übrigens, dass in Arvays eigenem Screenshot oben eine Mitteilung des Telegram-Messengers zu sehen ist, wo er doch behauptet, Telegram noch nie gesehen zu haben und überhaupt nicht zu benutzen:
  • Angesichts der aktuellen Enthüllungen über Frank „den Reisenden“ Schreibmüller, der für diverse Größen der Rechts- und Querdenkerszene Telegram-Kanäle etabliert und ihnen dann zur Übernahme angeboten haben soll, erhält Arvays Behauptung allerdings eine gewisse Glaubwürdigkeit, der inzwischen umbenannte Telegram-Kanal mit seinem Namen sei nicht von ihm selbst eingerichtet worden.
  • Wenn man liest, wie Arvay auf Facebook über die extrem seltenen Komplikationen durch Astra Zenecas Impfstoff Vaxzevria schreibt, könnte man meinen, er hätte im Fußball gewonnen.

    Nein, es hat niemand gewonnen; es sind Menschen gestorben. Genau gesagt sind europaweit bis zum 25.3. dieses Jahres 18 Menschen gestorben, von rund 25 Millionen, die bis dahin diesen Impfstoff erhalten hatten. Zur Einordnung: Wären diese Menschen dauerhaft ungeimpft geblieben, hätte man damit rechnen müssen, dass zwischen 50.000 und 200.000 von ihnen an Covid-19 sterben. Dass wir überhaupt über so seltene Impfkomplikationen reden, liegt eigentlich nur daran, dass wir mit den mRNA-Impfstoffen Alternativen haben, bei denen noch nicht einmal dermaßen seltene schwerere Probleme zu finden sind. Dass er vor ein paar Monaten gegen die auch agitiert hat, erwähnt Arvay zumindest in seinen Facebook-Posts vorsichtshalber nicht mehr.
  • Dass Arvay sein ganzes Anti-Impf-Geschwurbel vor einem Jahr mit dem Verbreiten der großen Bill-Gates-Impf-Verschwörung eingeleitet hat, hatte ich ja schon im letzen Artikel erwähnt. Er propagiert aber auch alle möglichen anderen abstrusen Verschwörungsmythen. Vor ein paar Tagen hat er sich erst einen Artikel über einen implantierbaren Chip herausgegriffen, der dazu dienen soll, Ausbrüche ansteckender Krankheiten in isolierten Militäreinheiten schnell zu erkennen. Dazu spinnt er sich dann zusammen, mit dem Chip seien „offenbar“ Bewegungsverfolgung und Überwachung möglich, und er sei entwickelt worden, um (gerichtet an seine Facebook-Fans) „Euer Blut permanent zu überwachen“.
    Damit verbreitet er unmittelbar den Chip-Implantat-Überwachungsmythos antisemitischer Verschwörungsideologen, wie er schon seit Jahren immer wieder auch vom Hetzkanal kla.tv der OCG-Sekte verbreitet wird, gerne auch als Teil von Anti-Impf-Propaganda. Kein Wunder, dass man in den Videos von kla.tv dann auch den „besorgten“ Bürger Arvay wiederfindet, was um so witziger ist, weil er in letzter Zeit offenbar auch versucht, sich an selbsternannte „revolutionäre Antifaschisten“ anzubiedern.
  • An anderer Stelle schreibt Arvay, Bill Gates habe in ein Patent zur Verdunkelung der Sonne investiert. Dazu gibt er als Fußnote einen Artikel auf einer Seite namens TechAndNature an, was den Eindruck erweckt, es handele sich um einen Beleg für seine Behauptung – nur dass in dem Artikel von einem Patent oder sonstiger wirtschaftlicher Verwertung mit keinem Wort die Rede ist. Arvay macht aber gleich weiter mit der Behauptung, das geschilderte Forschungsprojekt über denkbare Technologien zur Abschwächung des Klimawandels sei für Gates „bestimmt gewinnbringend“ und bringt das mit Gates‘ angeblich lukrativen „Pharmaseilschaften“ in Verbindung.

    Wie ein Zuschuss über eine gemeinnützige Stiftung zu einem Experiment der Grundlagenforschung, von dem selbst die Versuchsleiter sagen, dass sie die erforschte Technologie lieber nicht in großem Maßstab eingesetzt sehen möchten, gewinnbringend sein soll, kann Clemens Arvay sich selbst wahrscheinlich irgendwie erklären. Zur Frage, warum aus der Sicht von Verschwörungsgläubigen hinter solchen Aktivitäten unbedingt finstere Gewinnerzielungsabsichten stehen müssen, empfehle ich die Bücher Verschwörungsmythen und Warum der Antisemitismus uns alle bedroht des Antisemitismusbeauftragten von Baden-Württemberg, Michael Blume.
  • Ende Dezember verlinkt Arvay auf Facebook ein Video über angebliche „Mediale Diffamierung“ gegen ihn in der österreichischen Wochenzeitung Falter und kommentiert das mit: „Dank an den Urheber!“

    Unter dem Link diskutiert Arvay mit Kommentatoren fröhlich, wer „the Fuck“ die im Video attackierte Journalistin sei.

    Damit kann ihm eigentlich auch nicht entgangen sein, welch wirre Fake News und antisemitisches Verschwörungsgeschwurbel in den weiteren Kommentaren zu seinem Post verbreitet werden. Das scheint ihn aber nicht zu stören, denn er hat es bis heute weder kommentiert noch gelöscht:


    Wer der von Arvay mit solchem Dank bedachte Urheber des Videos ist, kann ich leider nicht mehr feststellen, weil selbiger offensichtlich Gründe hatte, das Video auf Youtube wieder zu löschen. Eine Google-Suche nach dem Titel zeigt aber deutlich, bei welchem Umfeld Arvay sich da bedankt: Sie führt auf die Seite Korrekter.com:

    Sämtliche Links rechts neben dem Arvay-Video führen weiter auf die Seite „Journalistenwatch“, laut ZEIT eins der einflussreichsten Medien der Neuen Rechten in Deutschland. Unter der Rubrik „Verbotenes Wissen“ verlinkt Korrekter nicht nur wirre Räuberpistolen über UFOs, Aliens, die Antarktis und Erich von Däniken, sondern auch eine ganze Serie islamfeindlicher Videos des Pegida-Aktivisten Michael Stürzenberger.
    Die Dankbarkeit fügt sich also nahtlos ein in Arvays Verbrüderung mit Leuten wie Gunnar Kaiser, Wikihausen oder dem früher gerade noch ultrakonservativ zu nennenden österreichischen Querdenker-Granden Raphael Bonelli, sein Interview bei den NachDenkSeiten und seinen Solidaritätsbekundungen für den Verschwörungspropagandisten Sucharit Bhakdi, der inzwischen öffentlich erklärt hat, Deutschland sei eine Diktatur. Falls also tatsächlich noch jemand Clemens Arvay die Frage abkauft, wer ihn immer wieder mit der rechten Szene in Verbindung bringt: Das ist er selbst.

27 Gedanken zu „Leider noch was zu Arvay“

  1. Trotz allem doch eine immer noch sehr sachliche Auflistung. Ich selbst würde Gift und Galle kotzen…
    Eine Mitgliedschaft bei der ABA sagt übrigens einzig aus, dass man jährlich 15€ überweist:
    „Eine Mitgliedschaft steht Biologie-Interssierten und BiologInnen aller Fachgebiete offen, unabhängig vom Ausbildungsgrad und der aktiven, beruflichen Orientierung. Die Voraussetzung für eine Mitgliedschaft ist die jährliche Einzahlung des Mitgliedsbeitrages (ordentliche Mitgliedschaft: 15 EUR / Jahr).“
    Und dafür darf man sich sogar noch kostenlos Affen anschauen und ermäßigten Wein trinken 🙂 Alles in allem eine lohnende Investition (vor allem, wenn man dann auch noch mit der Mitgliedschaft versucht seine kruden Theorien in ein legitimes Licht zu rücken.).

  2. Leider fischt auch Sarah Wagenknecht neuerdings in diesem Segment und hat allen Ernstes in einem ihrer letzten YouTube Videos Arveys Buch als einzige Empfehlung präsentiert, um sich über das Impfen zu informieren. Ich habe mich an meinem Kaffee verschluckt als ich das gesehen habe.

    1. Das hat mich angesichts Sarah Wagenknechts sonstigen Äußerungen und Positionen nun wirklich kein bisschen überrascht.

  3. Hallo,

    der Spin Mitglied in seriösen Fachgesellschaften zu werden, um sich selbst Kompetenzen zuzuschreiben, die man nicht hat, ist nicht mal Arvays Erfindung. Schon Andreas Kalcker wurde Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Biophysik.
    Merke: er ist als Tontechniker noch weiter weg vom Thema als der Agraringenieur Arvay.

    Ich hatte dahingehend mal einen Mailwechsel mit dem Vorsitzenden der Fachgesellschaft, den ich über Kalckers Wirken aufgeklärt habe. Ob man anschließend Kalcker aus der Gesellschaft geputzt hat oder mal in die Aufnahmekriterien was mit „vom Fach“ eingebaut hat, weiß ich leider nicht.

    1. Ich müsste mal in die Satzung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sehen, aber nach Nachweisen einer entsprechenden Ausbildung wird man beim Beitritt zu keiner dieser Fachgesellschaften gefragt.

  4. Clemens Arvay versucht verzweifelt, sich mit einem Anschein von Seriosität und Wissenschaftlichkeit zu umgeben, indem er sich ein Zertifikat besorgt, einer Vereinigung beitritt und sogar eine Promotion anstrebt. Andererseits zeigt er mit jedem seiner Online- und Medienauftritte, dass er nicht nur mehr ein Trittbrettfahrer der Querdenkerszene auf der Jagd nach Ruhm und Geld ist, sondern dass er deren Narrative Stück für Stück übernommen hat. Aus diesem Sumpf kann er sich nicht mehr retten. Aber das will wahrscheinlich auch gar nicht.

    Nach Arvays eigenen Angaben erfolgt die Promotion an der Universität Graz am Institut für Biologie. Erforscht werden soll der Einfluss von Zirbelwäldern auf das Immunsystem. Warum ihn die Promotion, so er sie denn durchzieht, zum Experten von Corona und Impfstoffe machen, wissen nur er selbst oder seine Anhänger. Aber als Marketing macht sich ein Doktor im Buchtitel natürlich gut. Denn ich gehe sicher nicht fehl in der Annahme, dass es der überwiegenden Anzahl seiner Buchleser ganz egal sein wird, welchen Doktor er hat. Es klingt einfach „seriös“, und man so gut ein argumentum ad verecundiam anbringen.

    PS: Auf der Diskussionsseite der Wikipedia zu Clemens Arvay habe ich noch folgenden interessanten Hinweis gefunden:
    „Die Vielfalt biologischer Bildungswege bringt es mit sich, dass die fachliche Spezialisierung und Qualifizierung durch die Bezeichnung als „Biologin“ oder „Biologe“ in manchen Kontexten nicht ausreichend hervorgeht. Im Forschungsbereich ist es kaum möglich, die Ergebnisse anderer Fachbereiche qualifiziert beurteilen zu können. Ebenso, wie man beispielsweise mit einem gebrochenen Arm keine Zahnärztin aufsucht, obwohl auch diese Medizinerin ist, ist auch in der Biologie die fachliche Spezialisierung bedeutsam. Unter Umständen kann daher die Berufsbezeichnung als „Biologin“ oder „Biologe“ zu Missverständnissen führen. Für Kontexte, wo eine fachliche Qualifikation entscheidend ist, empfehlen wir eine präzisierte Angabe des eigenen Ausbildungsweges.“
    https://www.austrianbiologist.at/aba/berufsbezeichnung/

    1. Zahnmedizin und Medizin sind schon zwei klar abgegrenzte Fächer und nicht nur Spezialisierungen innerhalb eines Fachs. Da hat ja sogar die Promotion unterschiedliche Abkürzungen, während Naturwissenschaftler alle, je nach Universität, den Titel Dr. rer. nat. oder Dr. phil. nat. bekommen. Insofern hinkt der Vergleich schon ziemlich.

  5. Herr Hümmler,

    ich danke ihnen auf diesem Weg für ihre unermüdliche Arbeit gegen fake News und solche […] wie Clemens Arvay. Ich bin bestürzt das dies überhaut notwendig ist.

    Gruß
    Waldemar N

    1. Zum Schutz des Kommentators und des Blogs vor Rechtsstreitigkeiten habe ich hier leicht zensierend eingegriffen. Die drei Punkte möge sich der geneigte Leser selbst füllen.

  6. Hallo,

    wollte mich hier nur mal bedanken für deine Artikel und die Arbeit.
    Ich freue mich über jeden neuen Post.

    Vielen Dank und bleib gesund.

  7. Ich komme jetzt mit etwas, was zugegebenermaßen eine Kombination aus Verfügbarkeitsstatistik und Arroganz darstellt (und somit völlig unwissenschaftlich ist), aber ich kann nicht anders:
    Ich erinnere mich noch sehr genau an meine Studienzeit, in der damals eine nicht unerhebliche Anzahl an scheiternden Studierenden kurze Zeit später an diversen österreichischen Universitäten mit Bestnoten (1,7 als schlechteste Bewertung) aufwarten konnte. Dies lässt mich den Abschluss „Diplomingenieur an der Universität für Bodenkultur Wien“ der diskutierten Person in einem gewissen Licht sehen…

  8. @Dr. Holm Gero Hümmler: „…er will also offenbar doch noch versuchen, zu lernen, wie man wissenschaftlich arbeitet.“
    –> Dass die beiden Buchstaben vor dem Namen dafür kein Garant sind, kann man ja sehr gut an Dr. Ruediger Dahlke sehen. 😉

    1. Da gibt es noch viel mehr Beispiele, aber es ist ein Anfang. Und in den Naturwissenschaften nimmt man sich ja auch viel mehr Zeit dafür als in der Medizin.

  9. Hallo Zusammen.
    Können Sie mir die Quelle nenne, nach der jährlich 140000 Menschen an Unterernährung sterben?
    Laut der UNICEF ist der Hunger in der Welt doch schon ein gigantisches Problem, welches durch die Pandemie (Regression) noch weiter verschärft wird.
    https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/2020/un-report-nahrungssicherheit-hunger/221914
    Bei 600 bis 800 Millionen hungerleidenden Menschen erscheint mir die 140000 zu wenig.

  10. Hallo.
    Ich teile Ihre Meinung zu Herrn Arvay wirklich.
    Aber: Wie kommen Sie denn darauf, dass jährlich 140,000 Menschen an Unterernährung sterben? Das müssen sie mir mal erklären? Und ihr Link zur Global Burden of Desease führt mich nicht weiter. Der Hunger ist doch laut UNICEF eines der dringlichsten Probleme der Menschheit. Es leiden fast eine Milliarde Menschen an Hunger.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Welthunger
    (Jedes Jahr sterben laut Jean Ziegler etwa 30–40 Millionen Menschen an Hunger bzw. den unmittelbaren Folgen (Stand 2007).[4])
    Woher wissen wir denn, wieviele Menschen tatsächlich an Hunger zustätzlich durch die Pandemie sterben. Ich möchte hier wahrlich keine Lanze für den Arvay brechen. Allerdings hinterfrage ich grundsätzlich alle zahlen, die genannt werden.

    1. Mehr als die Quelle im Text zu verlinken, kann ich nun wirklich nicht machen. Im Global Burden of Disease Monitor sind die Todesursachen sehr detailliert aufgeschlüsselt, und man kann immer diskutieren, was man wie zusammenfasst. Ourworldindata hat die Zahlen offensichtlich anders zusammengefasst (oder ich habe etwas übersehen) und kommt auf knapp 232.000 für „Protein-energy malnutrition“ – deutlich höher, aber gleiche Größenordnung. Man kann sich auch darüber streiten, ob man die 269.000 für „Nutritional deficiencies“ auch noch mit unter Hunger fasst, wobei die ja alle möglichen Gründe haben können, also zum Beispiel auch Fehlernährung durch mangelnde Bildung, Demenz etc.
      https://ourworldindata.org/causes-of-death
      Wenn man sich im Burden of Disease Monitor, der weltweit umfassendsten statistischen Auswertung aller Todesursachen, ansieht, in welchen Ländern diese Fälle auftreten, kann man übrigens auch gut argumentieren, dass wir ohne Kriege und Bürgerkriege wahrscheinlich nahe bei 0 Hungertoten wären.
      Die Diskrepanz zwischen den in den Medien genannten Zahlen und wissenschaftlichen Ergebnissen ist mir schon länger bekannt. Es würde mich auch mal interessieren, woher die kommt. Dazu kann ich allerdings nichts sagen, weil die Seiten, die so irrsinnig hohe Zahlen von Hungertoten angeben, entweder gar keine Quellen oder unspezifizierte eigene Schätzungen angeben oder sich irgendwie gegenseitig zitieren.
      Vielleicht sollten Sie einfach mal Jean Ziegler nach seinen Quellen fragen.

    1. Ich betreibe den Blog in meiner Freizeit – insofern finde ich eher nicht die Zeit, ihn allzu professionell zu vermarkten. Dafür komme ich auch zu unregelmäßig zum Schreiben.
      Es freut mich aber, wenn sie ihn jetzt entdeckt haben.

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