Zur Abwechslung: Musik in meinen Ohren

Da ich gerade keinen Nerv habe, mich über irgendwas aufzuregen, mir aber andererseits auch die Zeit fehlt, den schon lange angekündigten zweiten „Missverquanten“-Erklärartikel (das wäre dann der über den Welle-Teilchen-Dualismus) zu schreiben, versuche ich die geneigten Quantenquark-Leser einfach mal mit etwas Musik bei Laune zu halten. Mit elektronischer Musik natürlich; wer mich schon länger kennt… ziemlich lange… so ungefähr 25 Jahre… weiß auch warum. Ach ja, einen Getränkechip habe ich noch, auch wenn er schon etwas ramponiert ist, nachdem er lange als mein Schlüsselanhänger herhalten musste.

Wenn es auf Quantenquark.com erscheint und kein Quantenquark ist, dann muss es natürlich etwas Nerdiges sein, mit richtiger Physik und richtigen Physikern. Es ist sogar eine kleine Hommage an Stephen Hawking darin, wobei ich mit dem Personenkult um Hawking ja immer meine Schwierigkeiten hatte. Immerhin muss ich im Vergleich zu anderen bekannten Physikern sagen, dass er immer so klar formuliert und sich so deutlich als Skeptiker und Atheist positioniert hat, dass ihm die Quantenheiler, relativistischen Schamanen, schwachen Quantentheoretiker und pseudophysikalischen Unternehmensberater nur mit größter Mühe das Wort im Mund herumdrehen und ihn als Kronzeugen des Quarks missbrauchen konnten. Und angesichts seiner unglaublichen Popularität und seiner krassen Lebensgeschichte hätten sie das ganz sicher mit größter Freude getan.

Also, los geht’s:

Darauf gebracht hat mich übrigens unser Frankfurter Skeptikerkollege, DJ und House-Produzent Eb-Clectic. Und tatsächlich hat er selbst einen ebenso coolen Track mit einer Stimme der Physik auf Lager – leider ohne Video:

Und schließlich, nicht ganz so professionell gemacht und schon zehn Jahre alt, aber dafür direkt im CERN aufgenommen und von einer waschechten Physikerin gerappt: Mit meiner CERN-Vergangenheit komme ich an Alpinekat natürlich nicht vorbei.

Also, einmal lockermachen, der nächste Quark kommt ganz sicher.

Ganz kurz: Quantenquark zweimal geslamt

Da ich voraussichtlich noch bis zum Sommer eher selten zu längeren Beiträgen kommen werde, an dieser Stelle erst mal zwei Terminhinweise für Kurzentschlossene aus Mittelfranken oder dem Großraum Berlin (und natürlich für die Teilnehmer der Frühjahrstagungen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft DPG).

Ich werde Quantenquark mal wieder als kleines Worst-Of im Science-Slam-Format (auf 10 Minuten komprimiert, pointiert, etwas anzüglich und dem Format geschuldet zwangsläufig ein bisschen albern) präsentieren, und zwar in diesem Frühjahr gleich zweimal kurz hintereinander. Veranstalter der Einstein-Slams ist wieder die junge DPG.

Erlangen: Dienstag, 6. März, 20 Uhr, Audimax der Friedrich-Alexander-Universität, Bismarckstraße 1

 

Berlin: Montag, 12. März, 20 Uhr, Urania, An der Urania 17, ein paar Schritte von der U-Bahn-Station Wittenbergplatz.

Damit bin ich also dieses Mal gleich auf zwei der vier DPG-Frühjahrstagungen vertreten – und natürlich treffen sich gerade die drei Fachgruppen, an denen ich aus früherer oder aktueller Tätigkeit interessiert bin (Hadronen und Kerne, Teilchenphysik sowie Industrie und Wirtschaft), auf den beiden anderen Konferenzen.

Inhaltlich verrate ich wohl nicht zu viel, wenn ich schon mal ankündige, dass in meinem Vortrag Walter Thurner wieder seinen Verstand ausschalten darf, und auch die „Unternehmensphysiker“ sind einfach zu schön, um sie wegzulassen. Ich habe aber auch ein paar schöne neue Fundstücke dabei.

Nachdem ich bis jetzt bei den Einstein Slams in Dresden Erster und in Münster Letzter geworden bin, bin ich schon sehr gespannt, was das Publikum in Erlangen und Berlin zum Quantenquark sagt…

Karl, mei‘ Trobbe – aber bitte nicht die von Karl Probst

„Karl, mei Trobbe!“ Als Skeptiker muss ich natürlich darauf aufmerksam machen, dass es höchst umstritten ist, ob Mama Hesselbach ihren berühmten Stoßseufzer jemals wirklich gesagt hat. Dass die Familie Hesselbach mir bis heute ein Begriff ist, obwohl die HR-Fernsehserie schon in meiner frühen Kindheit nur noch als Wiederholung lief, mag damit zu tun haben, dass auch mein Großvater eine kleine Firma hatte und von ihm in unserem Haus eigentlich immer nur als „der Chef“ gesprochen wurde. Der Ruf nach den Herztropfen ist aber nicht nur mir im Gedächtnis geblieben, sondern rund um Frankfurt 50 Jahre nach dem Ende der Serie immer noch ein geflügeltes Wort.

Karl, mei Trobbe. Das war auch so ziemlich das erste, was mir durch den Kopf ging, als ich anfing, mich mit den Behauptungen von Dr. med. Karl J. Probst zu beschäftigen. Nötig wurde das beim Versuch, dem Bürgermeister von Bergheim begreiflich zu machen, dass es keine gute Idee ist, die städtische Kongresshalle für einen Esoterikkongress mit vielfältigen Reichsbürger-Verbindungen zu vermieten. Karl Probst ist sicherlich einer der bizarrsten unter den Referenten, die für den Akasha-Congress angekündigt sind, wobei es mir fern liegt, eine Rangliste der Skurrilität innerhalb dieses Gruselkabinetts zu erstellen. Der Grund, warum er Jahre nach seiner Emigration nach Bolivien wieder auf Kongressen in Deutschland auftaucht, ist offenbar, dass er, wie er in einem Video, das uns hier noch beschäftigen soll, erklärt, eine Privatklinik in der Nähe von Dresden plant. Aktuell findet man ihn im Netz jedoch als Inhaber eines „Wellness-Energie-Zentrums“ in Trier.

Über Probsts politische Aktivitäten am rechten Rand habe ich schon im letzten Artikel geschrieben – das soll uns hier nicht noch einmal beschäftigen. Vielmehr möchte ich ein paar seiner Behauptungen ganz gezielt naturwissenschaftlich hinterfragen – vor allem solche, die auch sonst immer mal an den Rändern der Alternativmedizinszene auftauchen. Quantenquark im engeren Sinne ist nicht dabei: Ich habe den Eindruck, für eine Wiedergabe von Inhalten der Quantenphysik oder Relativitätstheorie, selbst in absurden Fehlinterpretationen, fehlt Probst schlicht das naturwissenschaftliche Verständnis.

Einen grundlegenden Überblick über die Inhalte, die Probst in letzter Zeit so verbreitet, hat die Kölner Skeptikerin Monika Kreusel für einen Artikel zusammengetragen, der bislang nur auf Facebook veröffentlicht ist und von dem ich hier als Einleitung zu Probst einige Passagen (natürlich mit ihrer Zustimmung) übernehmen möchte:

Am Wochenende nahm ich mir die Internetseite und einen Artikel über Biofilme vor, in welchem Dr. Karl J. Probst explizit neben Schwefel zur Darmsanierung Petroleum und Leichtbenzin empfiehlt. Ich habe also das Wochenende damit verbracht, mich über Biofilme zu informieren, deren tatsächliche mögliche Gefahren für die Gesundheit und die von diesem Naturheilarzt empfohlenen Behandlungsmethoden. Aber auch darüber hinaus habe ich recherchiert. Ich sah mich veranlasst dazu durch das auf seiner Internetseite eingefügte Video seines Interviews bei Jo Conrad, desweiteren wegen des Verweises auf Helmut Wandmaker und auch wegen einzelner Formulierungen in seinem Artikel über Biofilme in der von Helmut Wandmaker gegründeten Zeitschrift. Mal abgesehen von den Schreckensszenarien, die er zeichntet darin, so fragte ich mich, wessen Geistes Kind dieser Arzt eigentlich ist.

Bei dem Video handelt es sich um die folgende 50-minütige Interviewsendung des Reichsbürger-Aktivisten Jo Conrad mit Probst auf Conrads rechtsesoterischem Videoportal Bewusst.tv:

Wer viel Zeit und eine hohe Schmerztoleranz hat, kann sich das ansehen. Es ist… ach, man weiß nie, ob man lachen oder weinen, sich aufregen oder einfach resignieren sollte.

Nun will ich an dieser Stelle direkt zurück zu Dr. med. Karl Probst und dessen Vorstellungen zur Behandlung chronischer Krankheiten, wobei er wesentlich auch auf Darmsanierung und Entgiftung setzt. Bei der Darmsanierung empfiehlt er Schwefel, wobei er Paracelsus einen Pionier nennt. Das macht für mich deutlich, dass dieser Naturheilarzt, wie er sich selbst bezeichnet, gerne ungeachtet moderner evidenzbasierter Medizin auf alte Heilmethoden zurückgreift. Auch vor Paracelsus macht er dabei nicht halt.

Paracelsus wurde 1493 oder 1494 als Theophrastus Bombast von Hohenheim in Egg im Kanton Schwyz geboren und starb am 24.09.1541 in Salzburg. Seit 1529 nannte er sich Paracelsus. Zu seiner Zeit gab es unsere moderne Medizin nicht. Eigentlich ist es überflüssig, das ausdrücklich zu erwähnen.

Es befremdet mich daher, das heute in der Gegenwart ein Arzt auf Darmsanierung zur Behandlung von Krankheiten setzt, dabei Paracelsus als Pionier bezeichnet, während er den Gebrauch von Schwefel empfiehlt und das ganze im Kontext von Biofilmen. Paracelsus war zu seiner Zeit gewiss weit entfernt von Kenntnissen über Biofilme und wie mit ihnen umzugehen sei bei der Behandlung von Krankheiten.

Das ist allerdings nicht die einzige fragwürdige Therapie, für die Probst wirbt:

Zum letzteren wären die genannten fragwürdigen vermeintlich natürlichen Heilmethoden zu nennen. So lobt er Jim Humble für die als Mineral Miracle Supplement (MMS) bezeichnete bei Einnahme gefährliche Chemikalie Chlordioxid als „Therapie von Krankheiten aller Art“ und begründet dies mit der „antimikrobiellen Wirksamkeit“. Dieser Arzt erklärt allen Ernstes, diese ätzende und keinesfalls zur Einnahme geeignete und schon gar nicht als Arzneimittel zugelassene Chlorbleiche sei, ich wiederhole es, eine Therapie von Krankheiten aller Art. Dabei spricht er auch selbst das Verbot von MMS in Europa und in den USA an, nicht etwa zum Schutz vor Vergiftungen und Verätzungen, sondern als Hilfe für die Medizinindustrie, wie er meint. Das sah das Landgericht Hildesheim im vergangenen Herbst anders, als es jemanden wegen des Verkaufs von MMS zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilte.

Eine weitere Methode, die sehr wohl unter Umständen, bei Arteriosklerose nämlich, gefährlich werden kann, ist die Chelat-Therapie, von der er behauptet, diese habe sich seit Jahrzehnten bewährt im naturheilkundlichen Bereich „bei allen Arten chronischer und invalidisierender Erkrankungen“. Da sind wir eindeutig bei der Pseudomedizin. Es gibt eine einzige wirkliche medizinische Indikation für eine Chelat-Therapie mit EDTA und zwar eine schwere (!) nachgewiesene Vergiftung durch Schwermetalle.

Eine solche Behandlung ist aufwendig, langwierig und teuer. Das weiß auch Dr. med. Karl J. Probst, womit ich dann gleich auch zum Petroleum komme.

„Allerdings benötigt die Chelattherapie therapeutische Begleitung durch einen Arzt oder Heilpraktiker und ist zudem sehr teuer. Deshalb sollen nachstehend einige weitere höchst wirksame Therapien angegeben werden, die jedermann zu Hause allein durchführen kann ohne auf Therapeuten irgendwelcher Art angewiesen zu sein. Es ist sozusagen die Hohe Schule der Befreiung vom gesamten Medizinsystem. “

[…]

„Allerdings wirken die Erdölprodukte wie Petroleum oder Leichtbenzin noch schneller als Schwefel, vermutlich durch die direkte Zerstörung der Biofilme der Mikroorganismen, und können daher als Panazee, also als Universalheilmittel, bei Erkrankungen aller Art wirksam sein.“

Nun habe ich aber genug zitiert und möchte auf ein paar der von Probst propagierten Ideen etwas genauer eingehen. Dass er gleich von mehreren Therapien behauptet, sie seien zur Behandlung buchstäblich aller Krankheiten geeignet, ist für jemanden, der Medizin studiert haben soll, natürlich schon haarsträubend genug, aber ein paar Punkte aus seiner Gedankenwelt lohnen schon einen genaueren Blick. Dazu hangele ich mich der Einfachheit halber (mit Zeitmarken) an seinem Interview mit unserem alten, äh… Freund Jo Conrad entlang:

  • Die berühmte Übersäuerung: (5:00) „pH-Wert von 0 bis 7 ist sauer, das ist eben nicht gesund, da kann Krankheit überhaupt sich ansiedeln. pH-Werte von 7 bis 14 sind alkalisch, und das hat sich inzwischen selbst in der Schulmedizin herumgesprochen, dass der pH-Wert des Körpers von Bedeutung für die Gesundheit ist.“ Wer, wie offenbar Herr Probst, Zweifel daran hat, dass ein zu hoher pH-Wert für den Körper genauso schädlich ist wie ein zu niedriger, möge sich bitte vor Augen führen, was Abflussreiniger – pH-Wert 14 – aus den im Küchenabfluss steckengebliebenen Lebensmittelresten macht. Ansonsten regelt unser Stoffwechsel den pH-Wert praktisch überall im Körper mit hoher Genauigkeit selbst. Das ist auch notwendig, weil eben viele chemische Reaktionen nur im richtigen pH-Bereich in der notwendigen Form und Geschwindigkeit ablaufen. Das tut der Körper sehr effektiv. Nahrung zum Beispiel wird bei der Verdauung zunächst durch die Magensäure auf pH-Werte um 2 gebracht, dann neutralisiert und hat dann im Darm einen basischen pH-Wert von ungefähr 8. Kurzfristige Schwankungen sind zum Beispiel in Muskeln möglich, wenn bei starker Beanspruchung zu wenig Sauerstoff im Muskel ankommt und die Muskelfasern als kleine Energiereserve eine chemische Reaktion nutzen, bei der Milchsäure produziert wird. Das spürt man als brennenden Muskelschmerz bei Überlastung (nicht etwa später als Muskelkater – der hat offenbar mit der Milchsäure nichts zu tun). Dagegen hilft: Belastung reduzieren, Atmen. Sobald genügend Sauerstoff vorhanden ist, wird die Milchsäure langsam wieder abgebaut. Deutlich schlimmer ist es, wenn der Säuregehalt im Blut nicht mehr richtig geregelt werden kann. Eine solche metabolische Azidose tritt als Folge schwerer Erkrankungen (unbehandelter Diabetes, Nierenversagen, akute Vergiftungen, extremer Durchfall) auf und ist ohne sofortige Behandlung lebensbedrohlich.
    Die zur Zeit allgegenwärtige „Übersäuerung“ hingegen ist eine Modediagnose der Heilpraktikerszene. Pardon, „Diagnose“ sollte man in diesem Kontext unbedingt in Anführungszeichen setzen, denn mit einer einer Diagnose wie in der seriösen Medizin hat das nichts zu tun. „Die Symptome einer langsam entstandenen Übersäuerung sind vielfältig und nicht sehr spezifisch,“ ist dazu auf einschlägigen Seiten wie www.saeure-basen-ratgeber.de zu lesen. Vorsichtshalber wird dazu auch gleich angemerkt, dass eine tatsächliche Messung des pH-Werts im Blut durch den Arzt (aus den oben genannten Gründen) sehr wahrscheinlich keine Abweichung anzeigt. Stattdessen wird zum Führen eines Ernährungstagebuchs geraten, in dem Nahrungsmittel nach einer Tabelle in Säurebildner und Basenbildner eingeteilt werden – andere Seiten verwenden etwas offener gleich die bezeichnenden Begriffe Gut und Böse. Die entsprechenden Tabellen sind auch einigermaßen bizarr: Es fehlen nicht nur jegliche quantitativen Angaben (woher sollten die auch stammen?), auch die Zuordnung der Lebensmittel zur einen oder anderen Seite wirft Fragen auf. Was saurer Rhabarber oder Sauerampfer bei den „basischen“ Lebensmitteln zu suchen haben, kann man ja eventuell noch dadurch erklären, dass sie angeblich zu irgendwas Basischem verstoffwechselt werden, aber „Wilde Kräuter“??? Für die basenfastenden Heilpraktiker wirken offenbar alle Kräuter gleich. Kleiner Spoiler zu den Tabellen noch: Alles, was man für gewöhnlich gerne isst, ist natürlich böse. Schokolade ist nach der einen Tabelle selbstverständlich böse, nach der anderen zwar säurebildend, aber trotzdem gut – aber nur, wenn sie selbst hergestellt ist. Entstanden sein sollen die Tabellen durch die Messung des pH-Werts im Urin nach dem Verzehr der jeweiligen Lebensmittel. Da der Urin eben die Reststoffe abführt, die übrig bleiben, nachdem der Körper unter anderem seinen pH-Wert stabisiert hat, und da der Körper auch keinen Grund hat, den Säuregehalt dessen zu regeln, was er ohnehin ausscheidet, verwundert es nicht, dass der pH-Wert dort je nach Nahrung etwas schwanken kann. Um so unklarer ist aber, wozu es gut sein soll, ausgerechnet einen basischen Urin zu haben – leicht saurer Urin schützt nämlich vor Blasenentzündungen, weshalb man die, wenn sie häufiger auftreten, auch mit harnansäuernden Mitteln behandelt. Ein basischer Urin (allerdings auch ein extrem saurer) begünstigt auch die Bildung von Nierensteinen.
    Probst hat für das nicht existierende Problem der Übersäuerung auch gleich eine Rosskur parat und empfiehlt (5:54) schlicht die Einnahme von Natron. Natron wurde früher gegen Sodbrennen verwendet. Es ist (ausnahmsweise tatsächlich) basisch und neutralisiert die Magensäure. Dabei enststeht allerdings Kohlendioxid, was nicht nur zu Blähungen führen, sondern auch das Sodbrennen verstärken kann. Außerdem kann Natron die Magenschleimhaut schädigen, weshalb man heute lieber Mittel verwendet, die die Bildung neuer Magensäure reduzieren.
  • Elektronen und das Redoxpotential: (ab 5:22) „Wir brauchen viele Elektronen, freie Elektronen in einem System, alle Stoffwechselvorgänge brauchen Elektronen.“ Probst erklärt hier, wir bräuchten für unsere Stoffwechselvorgänge Stoffe mit einem negativen Redoxpotential, die also in chemischen Reaktionen Elektronen abgeben oder, anders ausgedrückt, oxidiert werden können. Da hat er Recht. Oxidiert werden können in unserem Stoffwechsel vor allem Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße. Wenn man das pseudophysikalische Geschwafel weglässt, sagt Probst hier also folgendes: Damit unser Stoffwechsel funktioniert, brauchen wir Nahrung. Immerhin, das hat er verstanden.
    Dann (7:00) ist es mit der Nachvollziehbarkeit seiner Argumentation allerdings auch wieder vorbei. Um Elektronen aufzunehmen, empfiehlt er nämlich auch Barfußlaufen in feuchtem Gras oder am Strand. Die Erde sei nämlich ein großer Kugelkondensator, an desssen Oberfläche wir über die Fußsohlen Elektronen aufnehmen. Nein, Herr Probst: Der Erdboden ist, wie schon aus dem Begriff hervorgeht, geerdet. Die Luftionisatoren, die er gleich im Anschluss anpreist, sollen uns auch Elektronen zuführen, die den gleichen Zweck erfüllen sollen wie die, die wir mit der Nahrung zu uns nehmen. Nun mag es stimmen, dass negativ geladene Ionen, das man zum Beispiel einatmet, Elektronen abgeben. Das passiert allerdings nicht in Form einer Redox-Reaktion, sondern die Elektronen erzeugen schlicht eine statische Aufladung, und sobald man eine leitende Verbindung zum Erdboden hat, fließen sie dorthin ab. Der Sinn von Luftionisatoren ist einfach nur, Staubpartikel statisch aufzuladen, so dass sie sich schneller absetzen.
    Als nächstes (9:30) erklärt Probst dann, dass Zucker (natürlich) schädlich ist, und widerspricht damit genau seiner Argumentation von eben, denn Zucker kann der Körper sogar ganz hervorragend oxidieren.
  • Schwefel zur Darmsanierung (ab 10:27): Zu sogenannten Darmsanierungen kursiert im Moment mal wieder aller möglicher Unsinn. Probsts weitgehendes Alleinstellungsmerkmal dabei ist seine Schwefelkur. Zunächst mokiert sich Probst über Warnungen vor der Gefährlichkeit von Schwefel, und Interviewer Jo Conrad probiert dazu plakativ auch gleich eine Fingerspitze voll Schwefel direkt aus der Tüte.  (15:00) Dieser Schwefel tötet laut Probst gezielt genau die bösen Darmbakterien ab, die angeblich die Darmwand durchlöchern, so dass unverdaute Speisen ins Körperinnere gelangen können. Dieses sogenannte Leaky-Gut-Syndrom (löchriger Darm) ist eine derzeit häufig präsentierte Begründung für „Darmsanierungen“, wobei zu einer schlüssigen Diagnose ebenso wenig zu finden ist wie zu belastbaren Nachweisen, dass diese Krankheit überhaupt existiert. Mit dem angeblichen Leaky Gut sollen durch den Schwefel auch „alle anderen Beschwerden, bis hin zur multiplen Sklerose, auch Krebs“ sowie Rheuma und chronische Müdigkeit zurückgehen. Ein diagnostisches Mittel, um zu erkennen, wann man die Behandlung abgeschlossen hat, nennt Probst auch: „Solange es unanständig riecht, wissen Sie, da brauchen Sie gar keinen Doktor, keine Darmspiegelung, keine Stuhluntersuchung, nichts, da wissen Sie, o Weh, o Weh, da sind noch Bösewichter, die noch weg müssen.“ (13:50)
    Nun riechen aber bekanntermaßen menschliche Fäkalien und die in gleicher Richtung entweichenden Gase eigentlich immer unangenehm. Grund dafür sind vor allem die Schwefelatome, die in den Eiweißmolekülen unserer Nahrung vorkommen. Wenn das Eiweiß (vom Körper oder von Darmbakterien) als Energie verwertet wird, bleibt dieser Schwefel in Form einfacher Verbindungen wie Schwefelwasserstoff oder Schwefeldioxid übrig und entweicht dann mit den bekannten olfaktorischen Showeffekten. Wir haben in unserem Verdauungstrakt also ohnehin ständig einen Überschuss an nicht verwertetem Schwefel. Zusätzlich noch etwas elementaren Schwefel zuzuführen, kann daher die stinkenden Gase allenfalls noch etwas vermehren. Deswegen steht im Sicherheitsdatenblatt  von Schwefel auch nicht etwa, dass der Stoff giftig sei, sondern dass man nach Verschlucken lediglich den Mund ausspülen und nur im Fall von Unwohlsein einen Arzt anrufen solle. Immerhin ist beim Verschlucken größerer Mengen unter Umständen mit Blähungen zu rechnen, die in diesem Fall auch für sich in der Nähe aufhaltende Personen besonders unangenehm sein könnten. Womit Probst die angeblich wunderbare, selektive Wirkung seines Schwefels ausgerechnet auf die angeblich die Darmwand durchlöchernden Bakterien nachgewiesen haben will, bleibt hingegen im Dunkeln. Plausibel ist sie angesichts des ohnehin im Darm schon im Überfluss vorhandenen Schwefels jedenfalls nicht.
  • Petroleum, Benzin und Terpentin als Heilmittel: Ab 20:00 erklärt Probst zur Giftigkeit seiner Heilmittel: „Alles, was uns irgendwie madig gemacht wird […] immer das Gegenteil denken!“ Als Beispiele nennt er neben seinem Schwefel auch Petroleum und Terpentin und verweist auf einen eigenen Artikel, in dem er zur Einnahme von Schwefel, Petroleum und Leichtbenzin erklärt: „Jedermann kann sich im Internet über diese Therapien selber informieren und auf eigene Verantwortung einen Therapieversuch starten.“ Das empfiehlt er „als Universalheilmittel, bei Erkrankungen aller Art“ und erklärt: „Es ist sozusagen die Hohe Schule der Befreiung vom gesamten Medizinsystem.“
    Wie schädlich sind diese Stoffe, die uns da „madig gemacht“ werden, also tatsächlich? Über Benzinvergiftungen gibt es viele Quellen, aber sucht man im Internet nach Informationen über die Giftigkeit von Petroleum, findet man – erst einmal nicht viel, weder in der einen noch in der anderen Richtung. Das liegt vor allem daran, dass einerseits heute kaum mehr jemand in seinem Alltag mit Petroleum in Kontakt kommt, anderseits auch kaum ein geistig gesunder Mensch von sich aus auf die Idee kommen würde, die stinkende Brühe zu trinken. Im Sicherheitsdatenblatt findet sich immerhin die Information: „Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein“ sowie der toxikologische Hinweis: „Einatmen konzentrierter Dämpfe sowie orale Aufnahme führen zu narkoseähnlichen Zuständen und zu Kopfschmerzen, Schwindel, etc.“ Das meint Probst wohl mit „madig machen“.
    Ausführlichere Hinweise findet man im Netz vor allem zu Lampenöl – aber das ist nicht dasselbe wie Petroleum, obwohl es in Wikipedia anders steht und man auch heute noch gelegentlich von Petroleumlampen spricht. Lampenöl ist (seit es nicht mehr parfümiert werden darf, um die Gefahr des Verschluckens durch Kinder zu reduzieren) in der Regel reines Paraffinöl. Paraffinmoleküle sind Ketten von Kohlenstoffatomen, die rundum vollständig von Wasserstoffatomen gesäumt sind. Paraffine sind bei entsprechender Erhitzung brennbar, aber ansonsten so reaktionsträge, dass sie, einmal glücklich im Magen angelangt, den Verdauungstrakt in kleineren Mengen weitgehend wirkungslos und unverändert durchlaufen. (Ihren liebsten „wie geschmiert“-Witz können Sie hier gerne selbst einsetzen.)
    Von Paraffinöl geht aber, wie auch von den drei oben genannten Substanzen, eine Gefahr aus, die mit unmittelbarer Giftigkeit eigentlich nichts zu tun hat: Bei solchen sehr dünnflüssigen Ölen (Speiseöle sind in der Regel viel dickflüssiger) kann der Kehldeckel nicht verhindern, dass beim Schlucken Teile der Flüssigkeit in die Luftröhre geraten. Da die Schutz- und Transportmechanismen der Atemwege auch nicht geeignet sind, solche Öle wieder auszuwerfen, können sie sich bis in die Lunge ausbreiten und dort eine unter Umständen tödliche Lipidpneumonie (auch das Hauptrisiko für Artisten beim Feuerspucken) auslösen. Bei Kindern, die von Lampenöl getrunken haben, soll eine Lipidpneumonie in 40 Prozent aller Fälle vorkommen. Bei Erwachsenen wird beim Schlucken von 25 Millilitern (also einem guten Schnapsglas) solcher Öle von der Gefahr schwerer Lungenschäden ausgegangen. So viel Petroleum, Terpentin oder Benzin werden hoffentlich auch Probsts Anhänger nicht auf einmal zu sich nehmen. Da diese Substanzen aber kaum verdunsten, können sie sich bei längerfristiger Einnahme auch in der Lunge anreichern.
    Petroleum, auch „gereinigtes“ Petroleum (Oleum Petrae album rectif.), besteht aber eben nicht nur aus Paraffinöl, sondern ist ein buntes Gemisch von so ziemlich allem, was im Erdöl vorkommt und bei Temperaturen zwischen 160 und 280 Grad verdampft. Es enthält also letztlich alles, was in der Raffinerie zwischen dem leichteren Benzin und dem schwereren Diesel oder Heizöl anfällt. Damit enthält Petroleum unter anderem auch alle Bestandteile des Kerosins Jet A-1, das als Standardtreibstoff für Verkehrsflugzeuge eingesetzt wird. Häufig werden die Begriffe Petroleum und Kerosin auch als gleichbedeutend verwendet, obwohl bei der Gewinnung von Kerosin für Flugzeuge eine niedrigere Obergrenze der Verdampfungstemperatur gewählt wird. In Kerosin ist also nur ein Teil dessen enthalten, was alles im Petroleum steckt. Ein großer Teil dieses Gemischs besteht tatsächlich aus Paraffinen und den ähnlich reaktionsträgen Cycloalkanen, es enthält aber auch ringförmige Strukturen von Kohlenstoffatomen mit weniger Wasserstoffatomen, sogenannte Aromate. Diese Aromate verursachen unter anderem den typischen Benzin- und Ölgeruch, sind zum großen Teil giftig und vor allem krebserregend. Das bekannteste Aromat im Petroleum ist Naphthalin, das inzwischen nicht einmal mehr in Mottenkugeln verwendet wird und aus Fußböden oder Dämmstoffen die Luft in vielen öffentlichen Gebäuden vor allem der ehemaligen DDR verpestet. Im Benzin, das Probst ja ebenfalls zum Selbstversuch empfiehlt, ist vor allem das giftige und krebserregende Benzol enthalten.
    Mit Terpentin meint Probst vermutlich Terpentinöl, denn das eigentliche Terpentin,  frisches Harz, aus dem dieses Öl destilliert wird, wird kaum jemand trinken wollen. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach angezapfter Baumart. Als ätherisches Öl hat Terpentinöl mit den anderen genannten Substanzen wenig gemeinsam und wird in der seriösen Pflanzenheilkunde durchaus verwendet, allerdings äußerlich zum Einreiben.  Dennoch kann es Hautreizungen und beim Einatmen der Dämpfe Entzündungen der Atemwege auslösen. Früher wurde es auch als Farbverdünner und Pinselreiniger verwendet, später aber aus Kostengründen durch Universalverdünner aus Mineralöl, sogenannten Terpentinersatz, verdrängt – womit wir wieder beim Benzin wären.
    Karl, mei Trobbe!
  • Die bösen Biofilme: Die Begründung, die Probst dafür liefert, dass man Petroleum trinken solle, sind angeblich gefährliche Biofilme im Darm. Biofilme sind dünne, schleimige Schichten an Oberflächen von Flüssigkeiten oder Festkörpern, in denen gleiche oder unterschiedliche Mikroorganismen (Bakterien, Algen, Pilze, Einzeller) jeweils eine Lebensgemeinschaft bilden. Im Biofilm ist die Vermehrung und Fortbewegung der Mikroorganismen gebremst und das Nahrungsangebot begrenzt; dafür bietet die Schicht einen gewissen Schutz vor dem Immunsystem sowie vor chemischen Bedrohungen wie Antibiotika oder sogar Desinfektionsmitteln. Andererseits ernähren sich bestimmte Schnecken, Fische und Krebstiere dadurch, dass sie gezielt Biofilme abweiden. Biofilme sind aber nicht nur biologisch relevant, sondern können zum Beispiel auch Fragen für den Denkmalschutz aufwerfen. Sie kommen fast überall vor und sind alles andere als eine neue Herausforderung für den Menschen: Seit Beginn der Evolution der Tiere existieren Biofilme um uns herum, auf uns und in uns, und möglicherweise sind auch die Zellen höherer Lebewesen ursprünglich aus Biofilmen entstanden. Anders als gelegentlich behauptet wird, sind sie auch keine neue Entdeckung. Zahnbelag, Pilzinfektionen auf Schleimhäuten, Algenteppiche auf Gewässern und so weiter sind seit Jahrhunderten bekannt. Neu ist nur, dass man alle diese Phänomene seit den 1990er Jahren unter einem gemeinsamen Blickwinkel und eben dem Begriff Biofilm betrachtet. Dadurch bietet sich diese scheinbar neue Entdeckung natürlich dafür an, mit dem Begriff allerlei Schindluder zu treiben. Wie wenig Ahnung Probst von Biofilmen hat, beweisen Aussagen wie: „Der Biofilm hat eine Polarität, und zwar ist er negativ geladen.“ Das ist nicht nur physikalisch Unsinn – die Wahrheit wäre sehr einfach in entsprechenden Studien nachzulesen gewesen.
    Da im Darm nicht nur einige möglicherweise ungewollte, sondern auch die lebensnotwendigen Mikroorganismen in Biofilmen vorkommen, wäre es jedenfalls definitiv nicht wünschenswert, alle Biofilme im Darm aufzubrechen, wie es Probst dem Petroleum (ungerechtfertigterweise) zuschreibt. Es gibt sogar den Ansatz, durch spezielle Gelatine gezielt solche Biofilme im Darm zu fördern, die die Ansiedlung schädlicher Colibakterien hemmen sollen.
    Nebenbei empfiehlt Probst gegen Biofilme und „zur erfolgreichen Therapie von Krankheiten aller Art“ auch noch die berüchtigte Chlorbleiche MMS. Einer der zwei Hauptbestandteile von MMS, Chlordioxid, wird tatsächlich erfolgreich eingesetzt, um Biofilme von Legionellen zu bekämpfen – die findet man allerdings in der Form nicht im Menschen, schon gar nicht im Darm, sondern in Rohrleitungen.
    Grundsätzlich ist aber festzuhalten, dass alle therapeutisch versuchten Einflussnahmen auf die Darmflora Eingriffe in ein hoch komplexes, bis heute nur in Teilen verstandenes aber zum Glück weitgehend selbststabilisierendes System sind. Was dabei genau unter welchen Bedingungen wie wirkt, muss jeweils nach wissenschaftlichen Grundsätzen in randomisierten, prospektiven, placebokontrollierten Interventionsstudien nachgewiesen werden, bevor man damit auf Patienten losgeht. Für die Rosskuren, die Probst und Konsorten propagieren, fehlen solche Nachweise natürlich völlig.

Weiter hinten im Video behauptet Probst dann auch noch, Algenkapseln (die mit seinem Namen verkauft werden) könnten Gifte aus dem Bindegewebe lösen (um 30:00). Danach (um 40:00) stellt er noch einmal seine, äh, besonderen naturwissenschaftlichen Kenntnisse zur Schau, indem er erklärt, wenn Heilerde zu fein vermahlen würde, könnten dadurch die enthaltenen Aluminiumatome aus dem Kristallgitter herausgelöst werden. Ich erlaube mir, mich und den Leser mit Details wenigstens zu diesem Unsinn zu verschonen.

Wie gut, dass sich Herr Probst nach eigener Aussage nicht mit esoterischem Geschwafel beschäftigen will: „Mich interessiert nur die wissenschaftliche Primärliteratur!“ (10:20) Vielleicht sollte er erst mal mit Lehrbüchern anfangen. Ich könnte da was empfehlen:

Mal wieder ein Schwurblerkongress in einer öffentlichen Einrichtung

In den letzten Jahren musste ich mich ja schon mehrfach darüber aufregen, dass Kongresse mit Inhalten von Quantenheilung über Verschwörungstheorien bis Reichsbürgerpropaganda in von Steuergeldern gebauten Stadthallen und Konferenzzentren stattfinden durften.

Dieses Jahr ist es mal wieder soweit – mit dem dritten derartigen Kongress innerhalb von zwei Jahren in immer derselben städtischen Halle in Bergheim, weswegen ich dieses Mal einen offenen Brief an den Bürgermeister verfasst habe, für den ich auf die Schnelle 26 Mitunterzeichner gefunden habe – von Bürgern aus der Region bis zu Europas wohl renommiertestem Professor für Alternativmedizin.  Ein paar Hintergrundrecherchen gab es für die Kommune auch noch. Mal sehen, was daraus wird.

Offener Brief Bürgermeister Bergheim

Recherchen Akasha-Congress

Update 25.1.18: Inzwischen gibt es eine Reaktion der Stadt, in bester Tradition dessen, was man in Amerika als CYA (cover your ass) bezeichnet… nur leider ohne das eigentliche Problem zu erkennen.

Man könnte ja sagen, in so einer Situation könnte man auch die Stadt erst einmal vertraulich auf die problematische Veranstaltung aufmerksam machen, ehe man an die Öffentlichkeit geht. Leider zeigt unsere Erfahrung mit ähnlichen Veranstaltungen in Hessen, dass man da nicht einmal als örtlicher Bürger eine vernünftige Antwort erhält. Zudem ist die Stadt Bergheim ja sozusagen Wiederholungstäter, und Proteste gab es schon gegen den Quer-Denken-Kongress dort 2016.

Vordergründig handelt es sich beim Akasha-Congress um eine reine Altenaivmedizinveranstaltung ohne offensichtliche politisch extremistische Inhalte. Nicht, dass der medizinische Unsinn nicht schlimm und gefährlich genug wäre. Eine Frau Grünberg hält einen Vortrag mit dem Titel: „Brustkrebs mit Metastasen – na und?“.  Der Heilpraktiker Rainer Körner vermarktet sein „BioLogisches Heilwissen“, das er, wie er auf seiner eigenen Homepage schreibt, aus Ryke Geerd Hamers Germanischer Neuer Medizin entwickelt hat. Gleich drei Referenten kommen aus der MMS-Szene: Ätzende Bleichmittel als angebliche Medizin. Dazu ist vom GWUP-Blog bis zu Publikumsmedien und Behörden inzwischen so viel geschrieben worden, dass ich mir das an dieser Stelle denke ich sparen kann – auch wenn man beim Kopp-Verlag Bücher bestellen kann, die meinen, auch da ginge Probieren über Studieren. Klar, man kann auch probieren, ob es wirklich gefährlich ist, an eine Hochspannungsleitung zu fassen… aber halt nur einmal. Die Kongressreferentin Kerri Rivera praktiziert übrigens eine Form von MMS-Wahn, die ich immer für aufgebauschte Einzelfälle einiger Verwirrter gehalten habe: In ihrer Klinik in Mexiko traktiert sie autistische Kinder mit Chlorbleiche-Einläufen. Und nur für den Fall, dass jemand in diesem Kontext den Quantenquark vermisst: Mit von der Partie ist natürlich auch wieder Enrico Edinger, dessen bizarre Ansammlung akademischer Titel von lustigen Instituten aus Russland jedes Jahr anders auszusehen scheint – vermutlich aus juristischen Gründen. Ob Edinger in seinem Verfahren wegen Betrugs und Titelmissbrauchs vor zwei Jahren eigentlich verurteilt worden ist, kann ich auf die Schnelle nicht herausfinden. Wie schon beim letzten Akasha-Kongress 2016 (auch in Bergheim) und bei Reichsbürger-Aktivist Michael Vogts Quer-Denken-Kongressen 2014, 2015 und 2016 (letzterer auch in Bergheim) und geplant auch für den Gießener WIR-Kongress 2016 erzählt Edinger von der Überlegenheit russischer Weltraummedizin. Er wird also wahrscheinlich mal wieder seinen ENKI Disconder vermarkten, den man sich zum Preis von 1800 Euro um den Bauch binden kann, um die Quanteninformationen seines Unterbewusstseins umzuprogrammieren. Vielleicht stellt er ja auch seine ENKI-Bandanahaube zum Preis von 180 Euro vor, über die im Shop irgendwas mit Infrarotstrahlung fabuliert wird und die wohl tatsächlich funktioniert – als Mütze jedenfalls.

Auch wenn es oberflächlich so aussieht, als wäre das alles – der Akasha-Congress hat auch eine Anzahl höchst bedenklicher politischer Bezüge. Aufgefallen ist mir das zugegebenermaßen selbst als erstes, weil mich das Webdesign irgendwie an den verhinderten WIR-Kongress in Gießen erinnerte, bei dem ja auch Reichsbürger-König Peter Fitzek eine Audienz zugesagt hatte, die er aber ohnehin nicht hätte geben können, weil er da schon im Knast saß.

Akasha-Congress:

WIR-Kongress:

Ja, der Motivations-Betz, der zu meistgefragen Themen bei Sekteninfo NRW gehört, ist auch wieder dabei, aber ich kann mich irgendwie nicht dazu bringen, den interessant zu finden. Da gibt es Schlimmeres.

Die Kongresswebsite schreibt selbst, dass die Moderatorin Vesna Kerstan ihre Karriere bei Jan van Helsings Verschwörungskanal secret.tv begonnen hat – ja, der van Helsing, dessen bekanntestes Buch jahrelang als volksverhetzend beschlagnahmt war. Referent Enrico Edinger berichtet auf der Seite seiner eigenen Firma, dass er schon auf einer Veranstaltung des Honigmanns gesprochen hat, der wegen seiner unbelehrbaren Vorliebe für nationalsozialistische Symbole gerade zur Zeit eine Haftstrafe absitzt. Auf den Referenten Karl Probst berufen sich nicht nur die Vertreter der Germanischen Neuen Medizin. Psiram berichtet noch über ein paar Leichen aus seinem Keller, die ich nach so langer Zeit leider nicht mehr nachrecherchieren kann. Er soll schon 2004 gegenüber seinen Patienten Reichsbürgerideologie vertreten haben (als die noch kaum einer kannte), und weil er demnach auch seine Steuern nicht zahlen wollte, soll es in einem Ermittlungsverfahren des bayerischen Staatsschutzes auch eine Hausdurchsuchung bei ihm gegeben haben. Darüber soll er sich dann auch noch im Neuschwabenlandforum des unfreiwilligen Verschwörungstheorie-Internetstars Dr. Axel Stoll ausgelassen haben. Anfangs- und Schlussredner des letzten Akasha-Kongresses 2016, auch in Bergheim, waren Jo Conrad und Michael Vogt, die Initiatoren der Reichsbürgerkongresse Aufbruch Gold-Rot-Schwarz. Gerade über Vogt habe ich hier ja eigentlich schon genug geschrieben. Die Akasha-Congress-Website verlinkt auch noch ein Video von Initiator Ali Erhan im Interview mit Jo Conrad auf dessen Kanal bewusst.tv und ein Video von Stein-Zeit.tv. Andere Gäste auf Stein-Zeit.tv dürfen regelmäßig über „Die Souveränitätslüge“ fabulieren, unwidersprochen behaupten, die Bundesrepublik Deutschland sei eigentlich kein Staat oder für den „Freundeskreis Heimat und Recht“ werben.

Bei Reichsbürgern hört der Spaß nun wirklich auf.

Wobei, die Akasha-Congress-Website verlinkt ja auch diverse Sendungen des Onlineradios Okitalk, und wenn ich auf youtube sehe, wie Okitalk noch im Januar 2018 Werbung für die vom Insolvenzverwalter zerfledderten Reste von Peter Fitzeks Königreich Deutschland macht, während der im Knast sitzt, muss ich doch wieder lachen.

 

 

Missverquanten (1): Der Beobachtereffekt

„Die moderne Quantenphysik zeigt uns unabweisbar, dass bereits das
bloße Beobachten eines Vorganges, bereits dessen Verlauf verändert,“ schreibt die Hebamme Kiria Vandekamp. „Deshalb sollte eine Frau auch keine Personen während der Geburt um sich haben, die nicht daran glauben, dass sie natürlich und lustvoll gebären kann.“

Eine solche Behauptung ist nicht nur eine Zumutung für all jene Frauen, für die eine Geburt in erster Linie mit kaum erträglichen Schmerzen verbunden ist. Ein ungutes Gefühl im Bauch bekommt man schon, wenn man mit solchen Erklärungen konfrontiert ist und wenigstens ein vages Verständnis naturwissenschaftlicher Zusammenhänge hat. Irgendetwas kann da ja nicht stimmen – aber was? Einen Beobachtereffekt gibt es in der Quantenphysik doch tatsächlich.

Bislang habe ich mir hier im Blog kaum Platz gelassen, solche Begriffe wirklich zu erklären. Überwiegend sind die Artikel hier eher längere Zusammenstellungen von besonders haarsträubenden Beispielen dieser Art von Quantenunsinn, wobei ich üblicherweise nur in kurzen Anmerkungen darauf eingehe, was wirklich hinter den jeweils missverstandenen oder missbrauchten Begriffen steckt. Dafür verweise ich naheliegenderweise gerne auf das Quantenquark-Buch, in dem ich mehr Platz habe, derlei Zusammenhänge zu erläutern, oder ich verlinke ausführlichere Artikel reiner Physik-Blogger, zum Beispiel im großartigen Hier wohnen Drachen von Martin Bäker. Dort sind die Darstellungen oft detaillierter als hier, und Martin Bäker ist eben auch ein richtig solider theoretischer Physiker. Sie erfordern aber mitunter schon gewisse Vorkenntnisse, und auch bei den Drachen findet sich nicht unbedingt immer ein geeigneter, allgemeinverständlicher Artikel zu genau dem gesuchten Thema. Schließlich könnte es hier ja auch tatsächlich Blogleser geben, die sich unverschämterweise nicht mein Buch kaufen wollen… Kurz, wenn ich hier schnell irgendwo auf Erklärungen zu regelmäßig wiederkehrenden Stichworten wie „Beobachtereffekt“, „Verschränkung“, „Welle-Teilchen-Dualismus“ oder ähnlichem verweisen will, finde ich hier zwar Artikel, in denen diese Effekte vorkommen, aber kaum eine grundsätzliche, systematische Erklärung, und die, die sich außerhalb finden, sind nicht unbedingt immer so, wie ich sie schreiben würde.

Ich möchte also in nächster Zeit in loser Folge immer mal auf eins dieser Stichworte etwas genauer eingehen, allein schon, damit ich in Zukunft selbst einfach darauf verlinken kann. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen ja auch in der nächsten Facebook-Kommentarschlacht. In diesen Artikeln kann ich dann mein Lästermaul nicht ganz so ausgiebig auf schlechte Beispiele loslassen, aber keine Sorge, das kommt auch wieder. Ich habe ja auch diesen Artikel erst mal mit einem besonders unappetitlichen Quarkstückchen angefangen, und es werden auch noch ein paar am Ende kommen.

Jetzt aber: Was ist nun eigentlich der Beobachtereffekt?

Zunächst einmal muss man sich klar machen, dass sich die Quantenmechanik eben nicht wie die klassische Physik mit den Objekten unseres Alltags beschäftigt. Die kann man zwar theoretisch auch quantenmechanisch modellieren, aber das wird beliebig kompliziert, und man käme am Ende zum exakt gleichen Ergebnis wie mit der viel einfacheren klassischen Beschreibung. Gebraucht wird die Quantenmechanik, wenn man es mit einzelnen Elementarteilchen oder relativ kleinen Systemen solcher Teilchen bis maximal ungefähr zur Größe etwa eines Moleküls zu tun hat. Am Rande bemerkt, so ein Molekül ist schon verdammt klein, auch wenn man einige Riesenmoleküle, zum Beispiel die Chromosomen unseres Erbguts, immerhin schon mit einem guten Lichtmikroskop sehen kann.

Will man eine Eigenschaft eines solchen Teilchens messen, selbst eine ganz grundlegende Eigenschaft wie seinen Ort, dann ist das nicht so einfach wie bei einem Alltagsobjekt, das man sehen kann. Bei dem wäre der Fall relativ einfach, wie hier bei einem Objekt skizziert, das uns relativ vertraut sein dürfte:

Man sieht den Ball, also kann man ihn spielen. Ein kleinstes Teilchen, sagen wir zum Beispiel ein Elektron, kann man aber nicht sehen. Um seinen Ort bestimmen zu können, braucht man also ein Messgerät. Auch dieses Messgerät muss aber irgendwie an die Information kommen, wo sich das Elektron befindet. Um diese Information vom Quantenphysik-kleinen Elektron zum alltagsgroßen Messgerät zu bringen, braucht man aber eine Wechselwirkung. In einer ganz traditionellen Formulierung der klassischen Physik, die jeder in Schule mal kennengelernt haben sollte, würde man sagen, es muss eine Kraft wirken. Und woran man sich auch aus der Schule erinnern sollte: Wo eine Kraft wirkt, gibt es auch eine Gegenkraft. Das gleiche gilt für quantenmechanische Wechselwirkungen: In einer Wechselwirkung beeinflussen sich Teilchen gegenseitig.

Wenn das Elektron aber nicht gerade direkt in den Detektor fliegt, kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Die Information muss dann ja noch vom Elektron zum Detektor über eine gewisse Strecke transportiert werden. Das erreicht man normalerweise, indem man ein weiteres Teilchen vom zu messenden Elektron abprallen lässt („streut“, wie man in der Physik sagt). Dafür eignet sich in diesem Fall zum Beispiel ein Lichtteilchen, ein Photon. Das Photon macht eine Wechselwirkung mit dem Elektron, fliegt von dort aus zum Messgerät und macht dort eine Wechselwirkung mit dem Detektormaterial, die das Messgerät registrieren kann. Aus der Richtung des ankommenden Photons kann das Messgerät dann erkennen, in welcher Richtung sich das Elektron befinden.

Das ist soweit fast richtig, aber nur fast, denn die Information, die das Photon zum Messgerät trägt, ist nicht, wo sich das Elektron jetzt befindet, sondern, wo sich das Elektron befand, bevor es die Wechselwirkung mit dem Photon hatte. Durch die Wechselwirkung mit dem Photon hat das Elektron aber einen Impuls übertragen bekommen. Es ist also nicht mehr da, wo es eben war, und bewegt sich auch nicht mehr in gleicher Weise.

 

Fliegt das Elektron selbst direkt ins Messgerät, dann braucht man das Photon nicht zur Informationsübertragung. Dafür gibt es aber eine Wechselwirkung des Elektrons selbst mit dem Detektormaterial, die ebenfalls dazu führt, dass die Bewegung des Elektrons verändert wird. In den meisten Fällen wird das Elektron von den Atomen des Detektormaterials schlicht verschluckt. So oder so können wir keine Messung des Elektrons durchführen, ohne es dabei zu verändern.

Das und nichts weiter ist der quantenmechanische Beobachtereffekt. Man kann kein Teilchen und letztlich überhaupt keinen quantenmechanischen Zustand messen, ohne diesen Zustand dabei zu verändern, einfach weil man dafür eine Wechselwirkung mit dem Messgerät, also einem Teil der Außenwelt braucht. Klingt nicht sonderlich geheimnisvoll, oder? In Verbindung mit anderen Aspekten der Quantenmechanik, insbesondere dem Welle-Teilchen-Dualismus, kann eine solche Wechselwirkung mit der Außenwelt allerdings interessante Folgen haben. Der Welle-Teilchen-Dualismus wird uns aber noch in einer späteren Folge dieser kleinen Reihe beschäftigen.

Damit stellt sich jetzt aber die Frage: Wenn der Beobachtereffekt bei kleinsten Teilchen auftritt, aber alle großen Objekte aus solchen Teilchen bestehen, warum tritt der Beobachtereffekt dann zum Beispiel nicht beim Fußball auf? Warum müsen wir den Fußball nicht verändern, wenn wir seinen Ort messen wollen? Nun, genau betrachtet verändern wir ihn tatsächlich – wir merken es nur nicht, und es ist uns auch egal. Wie wir ein Photon am Elektron streuen müssen, um seinen Ort zu bestimmen, können wir auch den Ort des Fußballs nur dann berührungsfrei erkennen, wenn Licht auf ihn fällt. Wie das Photon auf das Elektron, übertragen auch die unzähligen Photonen des Lichts einen Impuls auf die Elektronen in den Atomhüllen des Fußballs. Im Verhältnis zur Größe des Fußballs und zu den vielen Reibungswiderständen verändert dieser Impulsübertrag den Fußball aber nicht erkennbar – allerhöchstens wird er von der Sonneneinstrahlung etwas erwärmt. Dieser minimale „Beobachtereffekt“ spielt bei der Größe des Balls schlicht keine Rolle.

An diesem extremen Beispiel wird aber auch deutlich, dass der Beobachtereffekt nichts, absolut gar nichts, mit dem eigentlichen Akt des Beobachtens, der Person oder gar dem Bewusstsein des Beobachters zu tun hat. Er entsteht einfach nur dadurch, dass man eine Wechselwirkung mit der Außenwelt braucht, um überhaupt etwas beobachten zu können.

Warum spricht man dann aber überhaupt vom Beobachtereffekt und nicht zum Beispiel vom Wechselwirkungs- oder vom Außenwelteffekt? Der Grund ist wie bei vielen missverständlichen Formulierungen der Quantenphysik schlichtweg historisch. Der Begriff des Beobachtereffekts stammt aus der Zeit vor rund 90 Jahren, als Theoretiker wie Bohr, Schrödinger und Heisenberg die Grundzüge der heutigen Quantenmechanik erstmals formuliert haben. Viele Aspekte der Quantenmechanik, die für heutige Physiker alltäglich und einigermaßen banal erscheinen, zeichneten sich damals erst vage ab, und man musste sich daraus irgendwie einen Sinn zusammenreimen. Gerade die Überlegungen von Werner Heisenberg waren dabei zwar oft bahnbrechend kreativ, seine Formulierungen zeichneten sich aber nicht unbedingt immer durch sachliche Nüchternheit aus. Zu allem Überfluss konnte man sich damals eine Messung kaum ohne einen menschlichen Beobachter vorstellen. Es lag also durchaus nahe, zunächst einmal von einem Beobachtereffekt zu sprechen und zumindest als Gedankenspiel in Erwägung zu ziehen, dass er auch mit dem Beobachter zu tun haben könnte. In diesem historischen Kontext entstand auch die schon damals durchaus polemische und bewusst absurd formulierte Frage von Albert Einstein: „Existiert der Mond auch dann, wenn keiner hinsieht?“ Aus heutiger Sicht können solche Diskussionen nur entstehen, wenn man versucht, quantenmechanische Effekte mit den denkbar ungeeigneten Begriffen unseres Alltags zu beschreiben. Die Vorstellung, was Quantenmechanik eigentlich ist und was sie bedeteutet, war in den 1920er Jahren jedoch erst am Entstehen.

Bei den meisten Messungen, die heute in der Physik stattfinden, gibt es aber überhaupt keinen menschlichen Beobachter. In den Experimenten des Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf passieren im normalen Betrieb 31,6 Millionen mal pro Sekunde jeweils rund 20 Teilchenkollisionen gleichzeitig. In jeder dieser Kollisionen entstehen mehrere, oft Dutzende, messbare Teilchen. Deren Effekte werden in Messungen auf Tausenden von Kanälen gleichzeitig registriert. Diese Unzahl von Messungen kann buchstäblich kein Mensch auswerten. Tatsächlich könnten auch die leistungsstärksten Computer nicht alle diese Messungen auswerten, und es ist nicht einmal möglich, die Messergebnisse in dieser Geschwindigkeit aufzuzeichnen. Stattdessen sortieren schnelle, fest eingebaute elektronische Schaltungen in mehreren, zunehmend komplexen Stufen aus, welche Kollisionen möglicherweise interessante Ergebnisse enthalten und somit an die nächste Stufe weitergegeben werden können. Der Rest geht unmittelbar nach der Messung wieder verloren. Nur ein winziger Bruchteil der gemessenen Kollisionen wird schließlich auf Datenträgern gespeichert um dann eventuell irgendwann später von einem Computerprogramm ausgewertet zu werden, dessen über Hunderttausende von Kollisionen aufsummierte Ergebnisse sich dann irgendwann ein menschliches Wesen ansieht. Dennoch tritt natürlich bei jedem in einer solchen Kollision produzierten Teilchen, das mit dem Detektor oder irgendeinem anderen Teil der Außenwelt wechselwirkt, ein Beobachtereffekt auf – selbst wenn die Information darüber nie einen Beobachter erreichen wird.

Kurz gefasst ist der quantenmechanische Beobachtereffekt also ein ziemlich banaler Effekt mit einem ziemlich unglücklichen Namen. Wie unglücklich der Name ist, zeigt sich, wenn man sieht, was in der Esoterik- und Alternativmedizinszene so in ihn hineinphantasiert wird.

Mein Lieblingsbeispiel zum Beobachtereffekt bleibt der Ingenieur und Quantentherapie-Höker Walter Thurner, über den ich hier schon einen ganz eigenen Artikel verfasst habe. Aus dem Beobachtereffekt zur folgenden Aussage zu kommen, erfordert schon wirklich bemerkenswerte… nennen wir es gedankliche Flexibilität: „Die Quanten sind sehr extreme Wesenheiten, wenn die wissen, bei einem Versuch, […] dass ich hinschau und bringen andere Ergebnisse als wenn ich wegschau. […] Das müssen Wesenheiten sein; die müssen ein Bewusstsein haben.“ Die besten Stellen kommen im folgenden Video ab Minute 3:45:

Nicht ganz so witzig, aber wesentlich gefährlicher wird es, wenn der der Beobachtereffekt missbraucht wird, um Menschen abstrusen Wunsch-Bullshit nach dem Vorbild von The Secret oder Bestellungen beim Universum zu verkaufen.

Hierzu wird typischerweise behauptet, der Beobachtereffekt (oder einfach „die Quantenphysik“) beweise, bei einem Ereignis mit mehreren denkbaren Ausgängen könne der Beobachter entscheiden, welcher der möglichen Endzustände eintritt. Tatsächlich besagt die Quantenmechanik aber das exakte Gegenteil davon: Wenn ein Quantenzustand mehrere denkbare Messergebnisse mit jeweils durch den Quantenzustand festgelegten Wahrscheinlichkeiten hat, dann ist das tatsächliche Messergebnis im Rahmen dieser Wahrscheinlichkeiten absolut zufällig und durch nichts mehr zu beeinflussen.

Das können wir uns wieder an unserem Beispiel mit dem Elektron, dem Photon und dem Messgerät verdeutlichen, und dazu müssen wir noch nicht mal in die richtige Quantenmechanik mit Wellenfunktionen, Wirkungsquerschnitten und anderen Komplikationen einsteigen. Das kommt in der nächsten Folge der kleinen Artikelserie (hoffentlich bald), mit dem Welle-Teilchen-Dualismus, der noch viel mehr Zufälle in unsere Messergebnisse bringt. Für den Moment genügt es uns, nach den Grundannahmen, die auch die Quantenmechanik macht, so zu tun, als wären alle betrachteten Teilchen einfach nur Teilchen – eine quasiklassische Betrachtung, wie man in der Physik sagt, etwa auf dem Niveau der entstehenden Quantenmechanik vor rund 100 Jahren. Wir nehmen dazu noch vereinfachend an, dass das Elektron am Anfang stillsteht, was einigermaßen unrealistisch ist, aber nichts Grundlegendes verändert. Nach den Behauptungen der Wunschdenker sollte der Beobachter (genau genommen sein Bewusstsein, ohne dass er dafür etwas physisch tun muss) bestimmen können, wohin das Elektron bei der Streuung des Photons „zurückprallt“. Das Problem dabei ist, obwohl das Photon und das Elektron mit einer endlichen Wahrscheinlichkeit wechselwirken (also „zusammenprallen“) sind beide Teilchen punktförmig. Ihre Ausdehnung ist null – das weiß man aus genau solchen Streuversuchen. Das bedeutet, dass ich, egal wie genau ich mit dem Photon zielen wollte, nicht wie bei einer Billardkugel eine bestimmte Stelle am Elektron treffen könnte, weil das Elektron ja nur aus einer Stelle besteht. Die Richtung, in der das Elektron zurückprallt, entspricht also der Richtung, in der ursprünglich das Photon geflogen ist, plus oder minus eines bestimmten Winkels (der natürlich mit dem Winkel zusammenhängt, in dem das Photon zurückgestreut wird), und weil beide Teilchen punktförmig sind und man also nicht auf einen Punkt innerhalb des Elektrons zielen kann, ist dieser Winkel (also auch der Winkel des Photons) im Rahmen einer Wahrscheinlichkeitsverteilung absolut zufällig. Wie gesagt, wenn man das Gleiche korrekterweise mit Wirkungsquerschnitten zwischen Wellenfunktionen rechnet, wird es nur noch zufälliger. Und es gibt vor allem nichts, absolut nichts, was man tun könnte, um diesen Zufall zu überlisten.

Eigentlich sollte sich der ganze Wunsch-Bullshit an dieser Stelle in Luft aufgelöst haben, aber leider wird er regelmäßig verbreitet, und zwar immer wieder unter Berufung auf den Beobachtereffekt. Bei Rolf Froböse ist das die zentrale Aussage eines ganzen Buchs. Ein richtig bizarres Beispiel von Angelika Schlinger, die auch die Gifte aus Chemtrails detoxed und Quantenphysik cool findet, aber nichts davon verstanden hat, hatte ich im Februar schon mal angeführt. Sandra Weber, die eine „Praxis für Gesundheit und Glück“ nebst entsprechender Heilerschule am Bodensee betreibt, behauptet aufgrund eben dieses falsch vestandenen Beobachtereffekts „Wir sind die Erschaffer unseres Lebens“. Nun bin ich wirklich der Letzte, der Menschen die Verantwortung für ihr eigenes Leben absprechen würde, und Dinge wie wirtschaftlicher Erfolg werden neben unseren ererbten Voraussetzungen und viel ganz gewöhnlichem Glück natürlich auch maßgeblich von unseren eigenen Entscheidungen und unserem Einsatz bestimmt. Ich könnte auch um neue Kunden werben und Geld verdienen, anstatt diesen Artikel zu schreiben. Der ist mir aber im Moment gerade wichtiger. Mancher hat sicher auch seine Leber kaputtgesoffen oder ist bewusst ein Lungenkrebsrisiko eingegangen. Am Ende ist aber Leben immer lebensgefährlich, und wer gesund stirbt, hat meistens nicht lange gelebt. Schwer kranken Menschen mit einer solchen Wunschdenkensideologie auch noch die Schuld an ihrem Schicksal zuzuschieben, ist daher in einer so erschreckenden Weise menschenverachtend, dass mir gerade schon wieder sehr bewusst wird, warum mir dieser Artikel wichtig ist. Frau Weber begründet mit ihrem falschen Beobachtereffekt jedenfalls ihre „mentalen Heilmethoden“, mit denen sie laut Homepage unter anderem Wirbelsäulenprobleme, Allergien, nicht näher bezeichnete „chronische Krankheiten“, Süchte und Depressionen behandelt. Immerhin keinen Krebs, möchte man erleichtert sagen, wenn man weiß, was Geistheiler sonst so auf der Pfanne haben, wobei natürlich auch Süchte und Depressionen bei falscher oder „mentaler“ (= im Zweifelsfall keiner) Behandlung vermeidbar tödlich enden können.

Wer starke Nerven hat oder für heute keine Pläne mehr hat und nicht zu Schlafstörungen neigt (ich meine das ernst, der Artikel ist krass),  kann sich hier eine Recherche von Correctiv zur „Behandlung“ einer Geistheilerin bei einer Krebskranken durchlesen. Zur Richtigkeit der darin genannten Sachverhalte kann ich nichts sagen – ich weiß nur, dass der Artikel seit über einer Woche online ist, und es scheint noch niemand erfolgreich dagegen vorgegangen zu sein. Die darin vorkommende Geistheilerin scheint sich nicht ausdrücklich auf Quantenquark zu berufen, aber immerhin war sie noch 2015 Vorsitzende des „Dachverbands geistiges Heilen“, dem zumindest mehrere Schüler von Sandra Weber angehören. Auf dem Kongress dieses Verbandes eben im Jahr 2015 ging es unter anderem um: „Hirnforschung, Quantenphysik, Arzt-Heiler-Kommunikation, Spontanheilung bei Krebs und zur Frage der Unsterblichkeit der Seele“

Eh isch misch uffreesch, wie man bei uns in Hessen sagt, abschließend noch kurz zur Frage, ob man derlei Verdummbeutelung der Physik nicht schon in der Schule vorbeugen könnte. Ich bilde mir ja ein, ich hätte den Beobachtereffekt – und warum das Leben auch als Quanten-Beobachter kein Wunschkonzert ist – hier in einem überschaubaren (ja, er ist wieder lang…) Artikel halbwegs verständlich erklärt. Das müsste ja eigentlich auch die Schule leisten können, wenigstens in der Oberstufe. Klar, Lehrer haben oft nicht sonderlich viel Quantenphysik gelernt und dann meist auch wenig davon gebraucht. Da würden sie sich sicherlich über eine Handreichung von kompetenten Fachdidaktikern freuen, wie man Quantenmechanik richtig und verständlich vermittelt… vielleicht von einer der angesehensten naturwissenschaftlichen Hochschulen des deutschsprachigen Raums… wie wäre es mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, der berühmten ETH? Dummerweise findet sich gerade dort bei der Fachdidaktik Physik ein Leitprogramm zur Quantenphysik für die Klassen 11 bis 13 mit dem Titel „Es spukt also doch bei den Quanten„. Der Text liest sich in weiten Teilen so, als stamme er von der Seite irgendeines Pseudophysik-Schwurblers, mit einem zumindest missverständlich formulierten Beobachterbegriff: „Der Beobachter „erschafft“ sein eigenes Teilchen. […] Aber vom philosophischen Standpunkt her gesehen haben wir ein unerhörtes Problem. Niemand hat bisher eine brauchbare Lösung gefunden.“ Kein Wort dazu, dass das philosophische Problem nur existiert, wenn man versucht, Quantenobjekte in die unpassenden Kategorien unserer Alltagswelt zu pressen. Kein Wort, dass der angebliche Beobachter mit im Vergleich extrem wenigen Ausnahmen einfach die unbelebte Außenwelt ist – eine Bleiabschirmung, die Laborwand, ein Molekül der Umgebungsluft. Das entscheidende Stichwort, nach dem von dem ganzen philosophischen Problem nur noch Prinzipienreiterei bleibt, nämlich „Dekohärenz“, kommt in dem Text praktischerweise nicht vor. Dafür folgen drei Interpretationsansätze für das vermeintliche philosophische Problem. Nur die dritte davon ist eine der gängigen (wenngleich auch schon reichlich angestaubten und für die reale Welt ziemlich uninteressanten) „Deutungen“ der Quantenmechanik. Als Erstes genannt wird der völlig verstaubte Positivismus, und die zweite „Interpretation“ der Züricher Physikdidaktiker ist purer… Quantenquark.

Da könnt isch misch scho widder uffreesche… Aber zum Glück gibt es auch Andere, die Dekohärenz erklären. Richtig gut sogar. Zum Beispiel gerade erst vor ein paar Wochen Harald Lesch. Wenn der religiös oder ökoromantisch wird, kann ich mich über den zwar auch manchmal aufregen, aber Physik erklären kann er:

Hoffentlich hört sich das jetzt nicht jemand an und missversteht daraus, dass durch die Dekohärenz doch irgendwie alles mit allem zusammenhängt. Aber wenn ich darüber jetzt nachdenke, reesch isch misch doch widder uff.

 

Ist Quantenquark rechts?

Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten möchte ich die Leitfrage dieses Artikels schon gleich zu Anfang beantworten: Nein, ist er nicht. Unsinn gibt es mit jeglicher politischer Couleur, und das gilt auch für Quantenunsinn. Gepachtet hat den niemand.

Damit könnte ich eigentlich auch schon den Leser beschwichtigen, der mich vor ein paar Tagen über das Kontaktformular angeschrieben hat und wissen wollte, „weshalb die meisten der Beiträge“, die ich kritisiere, „als rechte, braune oder in ähnlicher Form offenbar politisch motivierter Quark abgeurteilt werden“.  Der Leser kann in den kritisierten Inhalten „beim besten Willen weder rechte oder braune oder reichsbürgerliche Motivation erkennen“. Ich solle meine Beiträge doch darauf beschränken, „offensichtlichen Quark auf sachlicher meinetwegen wisschenschaftlich fundierter Ebene zu widerlegen.“

Das verwundert mich dann doch ein wenig, auch weil das Beispiel eines geifernden Rechten-Jägers so gar nicht in mein Selbstbild passt. Schließlich habe ich mich in den Zeiten, als ich noch parteipolitisch aktiver war, immer selbst als „Rechten“ gesehen. Wenn ich bei der Friedberger Antifa-Bildungsinitiative (die tatsächlich eine Bildungsinitiative mit vielen spannenden Vorträgen ist) dem „schwarzen Block“ zugerechnet werde, ist damit meine frühere Mitgliedschaft in der CDU gemeint. Im Rahmen meiner skeptischen Aktivitäten habe ich mich bei allzu politischen Themen wie der Klimawandelleugnung oder der Gefährlichkeit von Technologien wie Kernenergie und Gentechnik jahrelang eher zurückgehalten, obgleich ich dazu im privaten Rahmen einiges zu sagen habe. Allzu politische Sichtweisen tun der Wissenschaftlichkeit in der Regel einfach nicht gut, und buchstäblich alle relevanten Parteien haben pseudowissenschaftliche Leichen in ihrem programmatischen Keller.

Wenn hingegen politischer Extremismus mit Pseudowissenschaft vermischt oder gar gerechtfertigt wird, kommt man als Skeptiker nicht umhin, sich dazu zu äußern. Das gilt selbstverständlich auch dann, wenn die Kommunistische Partei Österreichs, das linke Regime in Venezuela oder der staatliche Rundfunk des Iran absurde Verschwörungstheorien verbreiten, ein amerikanischer Sender zur Atmosphärenforschung sei in Wirklichkeit eine Waffe, die künstliche Erdbeben auslöst.

Wer jedoch die Esoterikszene, insbesondere im Umfeld von Verschwörungstheorien, in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt hat, dem kann nicht entgangen sein, dass die Vermischungen mit rechtem Extremismus deutlich zugenommen haben. Diese Zunahme ist auch weder eine rhetorisch begründete Unterstellung noch subjektives Bauchgefühl. Besonders in den Versuchen, in den letzten fünf Jahren, mit einem vorläufigen Höhepunkt 2014, eine „Querfront“ aus rechten und linken Extremisten zu bilden, spielten Esoterik und Verschwörungstheorien eine zentrale Rolle.

Als ich 2006 den ersten deutschsprachigen skeptischen Aktikel über die Chemtrails-Verschwörungstheorie geschrieben habe, gab es noch keinerlei Veranlassung, Rechtsextremismus darin mit einem Wort zu erwähnen, schienen doch die Vertreter dieses abstrusen Hirngespinstes der linken Umweltbewegung deutlich näher zu stehen als den damaligen Rechten. Der bekannteste Vertreter der Chemtrail-Thesen, Werner Altnickel, war Träger des deutschen Solarpreises und hatte sich gerade erst von Greenpeace getrennt. Heute fabuliert Altnickel auf seinem inzwischen gesperrten Youtube-Kanal („Militärische + Wirtschaftsnachrichten“) über die jüdische Weltherrschaft, die die Deutschen vernichten will und hat offensichtlich keine Probleme damit, zur rechten Szene gerechnet zu werden:

Als die Innsbrucker Frauenforscherin Prof. Claudia von Werlhof 2010 darüber fabulierte, das amerikanische Atmosphärenforschungszentrum HAARP diene in Wirklichkeit dazu, Erdbeben zu erzeugen und könne auch für die Verwüstungen in Haiti verantwortlich sein, erhielt sie Beifall hauptsächlich noch von der Kommunistischen Partei Österreichs. Inzwischen lässt sie sich beim Quer-Denken-Kongress (nicht zum ersten Mal) vom Reichsbürger Michael Vogt interviewen, der auch schon einen Film über den „Friedensflieger Rudolf Heß“ produziert hat. Auf dem gleichen Kongress traten auch der „Deutsche Mitte“-Protagonist Christoph Hörstel, der Haus-und-Hof-Autor des Kopp-Verlags, Gerhard Wisnewski, sowie Querfrontler Jürgen Elsässer auf.

Michael Vogt, der mehrfach als Initiator von Reichsbürger-Veranstaltungen aufgefallen ist und eine Honorarprofessur nach Kontakten zur NPD verloren hat, begrüßt in seinem Quer-Denken-TV und auf den zugehörigen Konferenzen eine Vielzahl von Größen der Esoterikszene, darunter einige, die vor 2014 kaum in einem politischen Umfeld in Erscheinung getreten sind, manche aber vielmehr durch Quantenquark. Hierzu gehört zum Beispiel der Hare-Krishna-Anhänger Marcus Schmieke. Schmiekes abstruse Vorstellungen von Quantenphysik sind eigentlich einen eigenen Artikel wert… naja, vielleicht sind sie es auch nicht wert. Sein Geld verdient er offenbar vor allem mit dem Timewaver, einem Gerät, das durch Veränderung eines angeblichen, pseudophysikalischen „Informationsfeldes“ Krankheiten heilen und Unternehmen beraten soll. Das Gerät soll allein von über 1500 Therapeuten genutzt werden – bei fünfstelligen Stückpreisen für die Therapeutenmodelle lässt das auf beachtliche Umsätze schließen. Inzwischen tritt der Mantra-lehrende Krishnajünger aber auf derselben Veranstaltung auf mit Holocaust-Bezweiflern, Verschwörungs-Schwurblern und Führern randständiger Parteien, die bei Veranstaltungen auch schon einmel Plakate der eigentlich konkurrierenden NPD als Transparente benutzen. Weiteren Quantenquark ins gleiche Umfeld bringt Dr. Michael König, der jahrelang eine Ausbildung zum „zertifizierten Quantenpraktiker“ anbot. Außer bei Vogt tritt König auch bei dessen Reichsbürger-Kollegen Jo Conrad auf.

Vogts Quer-Denken.tv und Conrads bewusst.tv sind jedoch bei weitem nicht die einzigen Online-Angebote in denen Quantenquark in bester Eintracht mit Antisemitismus, Verschwörungsdenken und Reichsbürger-Ideologie verbreitet wird. 78 Artikel zu „Quantenphysik“ und „Quantenmedizin“ finden sich auf Wissenschaft 3000 – unter anderem mit dem verurteilten Betrüger Hartmut Müller als Experten. Neben der Behauptung, die Erde sei eine Scheibe, findet sich an gleicher auch Werbung für den „Staat Ur“ des Reichsbürgers Adrian Ursache, der gerade wegen Mordversuchs vor Gericht steht. Auch das Königreich Deutschland des gerade wegen verschwundener Millionen im Gefängnis sitzenden Goldenes-Brett-vor-dem-Kopf-Preisträgers Peter Fitzek wird auf Wissenschaft 3000 hofiert. Da wundert es nicht, dass „Quantenphysik“ auch bei den Geistesgrößen im Königreich selbst ein Thema ist.

Dass die Verknüpfung von falscher Physik und problematischer politischer Agitation eine hundertjährige Tradition hat, zeigt sich in einem aktuellen Arktikel von meinem langjährigen Skeptikerkollegen Markus Pössel. Pössel, inzwischen Leiter des Hauses der Astronomie, beleuchtet darin die antisemitischen Motive hinter vielen Anfeindungen gegen Einsteins Theorien.

Weitere Beispiele von Verbindungen zwischen Quantenquark und der rechten Szene habe ich bereits im Januar hier aufgeführt. Das war allerdings bislang auch der einzige Artikel zu diesem Thema hier. Daher ist für mich schwer nachvollziehbar, wie der ominöse Leserbriefschreiber darauf kommt, in meinen „Diffamierungsartikeln“ würden „die meisten der Beiträge die Sie erwähnen als rechte, braune oder in ähnlicher Form offenbar politisch motivierter Quark abgeurteilt werden“.

Da ist es schon fast beruhigend, dass nicht alle derartige Fanpost mir politische Motive unterstellt- zum Teil halten die Schreiber mich auch für einen Fälscher, für bezahlt (schön wär’s) oder einfach für dumm:

Hallo Herr Dr. Hümmler,

wie kann man als ernstzunehmender Wissenschaftler nur so ein dummes Zeug schreiben.

Ich vermute, dass Ihr Doktortitel ein Plagiat ist, oder Sie gehören zu den Leuten, die dafür bezahlt werden dass sie die Nullpunktenergie als Humbug darstellen. Diese Energie wird früher oder später zum Einsatz kommen, daran arbeiten inzwischen viele Menschen.

Oder sind Sie vielleicht tatsächlich Dumm? denn: Was der Bauer nicht kennt….

Ausserdem finde ich es bezeichnend, dass auf Ihrer Homepage eine falsche Mailadresse steht.

Gruss

W.  Herbst

Ich muss zugeben, dass es dem Schreiber tatsächlich gelungen ist, mich genug zu verunsichern, dass ich eiligst auf allen meinen Webseiten meine Mailadressen nachgeprüft habe… es waren natürlich alle richtig.

Ich muss allerdings auch sagen, ich bekomme hier auch erfreuliche Zuschriften. Manchmal sogar sehr erfreuliche, zum Beispiel von Martin Piehslinger, der mich auf seine sehr wohlwollende Rezension zum Quantenquark-Buch auf seiner Homepage hingewiesen hat.

Werbeblock Start.

im Zusammenhang mit dem Buch gibt es ganz aktuell sogar tatsächlich eine Möglichkeit, wie Sie mich für diesen Blog bezahlen können, wenn Sie denn möchten: Bestellen Sie das Buch (oder ein anderes aus dem Springer-Nature-Verlag) anstatt über den Buch- oder Onlinehandel einfach über den Link rechts oben direkt beim Verlag, und ich bekomme eine kleine Provision.

Werbeblock Ende.

Artikel Ende. Und ich hoffe, ich muss zu diesem Thema nicht so bald wieder schreiben.

Quantenquark in English – My „Relative Quantum Nonsense“ Talk at the European Skeptics Congress

For those who have approached me about material and statements on quantum nonsense in English, unfortunately, I still have nothing quotable in print. I hope to be able to offer some form of the Quantenquark book in English, but if that works, it won’t be anytime soon.

Therefore, I am quite happy that the organizers of the 2017 European Skeptics Congress in Wroclaw now have the videos of all the conference presentations online. That means that now there is also a professional video of my talk there, which I am happy to share. It should at least provide something to link to in online discussions.

I would also like to thank the wonderful (and wonderfully practical) Susan Gerbic for already posting a bootleg-style video of the same talk on Facebook in mid-October. I have been able to use that video in a couple of discussions, and it has saved me some explanations that might have been tedious had there been the need to write them down instead of just linking to her video. I’m still glad I now have the official video for this page, mostly because the direct connection to the conference audio makes it easier to understand.

Although I have pointed this out here earlier, for English-speaking readers (and listeners) who want to hear some more about quantum nonsense and my views on that, it might be interesting to check out the interview the European Skeptics‘ Podcast did with me: Episode #084, feat. Holm Gero Hümmler.

I have been writing this article in English, simply because the video might be interesting for some people not usually following my blog. I have actually done that once before, in that case as a translation of an original German article about Swiss-Hawaiian pseudophysicist Nassim Haramein, which brings me to a new question: What do I do if an English version of the book actually starts to materialize? I could switch the blog to English, write all the articles in two languages (no, I couldn’t, not unless days are somehow extended to 36 hours), or I could start a new blog and accept gradually neglecting this one. Maybe I could… well, suggestions are welcome.

 

Noch ’ne Rezension zum Quantenquark-Buch

Ich verspreche, demnächst gibt es hier auch mal wieder einen Artikel zu einem konkreten Thema. Erst mal freue ich mich aber über eine weitere Rezension zum Buch – und in dem Fall freue ich mich ganz besonders, denn Spektrum der Wissenschaft ist ja nun in Medium, das mich schon über Jahrzehnte begleitet und durchaus zu meinem Interesse an einem naturwissenschaftlichen Studium beigetragen hat. Und ehe jetzt jemand sagt, dass Spektrum ein Buch aus dem eigenen Verlag rezensiert, sei ja nicht allzu überraschend – ich habe mir sagen lassen, das sei alles andere als selbstverständlich, und ein halbes Jahr nach Erscheinen des Buches hatte ich diese Hoffnung eigentlich aufgegeben. Wie auch immer, ich fühle mich geehrt, und das nicht nur weil die Kritik ja sehr positiv ausfällt.

Das schöne am Bloggen ist, dass man da als Kritisierter völlig ungebremst auch noch an den Details einer Kritik herumkritisieren kann. Insofern lasse ich es mir jetzt auch nicht nehmen, auf den Vorwurf einzugehen, meine „gesunde Skepsis“ versage „beim Thema Quantenbiologie ein wenig“. In der Tat, die dort angeführten Beispiele möglicher Quanteneffekte in lebenden Zellen sind kein allgemein etablierter Stand der Wissenschaft, sondern aktuelle Forschungsthemen mit Hypothesen, die aber immerhin von soliden experimentellen Daten unterstützt werden. Es ist auch ein riesiger Unterschied, ob man Quanteneffekte innerhalb eines einzelen Moleküls für möglich hält (und wie gesagt gute experimentelle Indizien dafür findet) oder ob man wie Roger Penrose aufgrund oberflächlicher Argumente behauptet, es müsse im angeblichen „Quantencomputer“ Gehirn Quanteneffekte mit einer Ausdehnung von mehreren Zentimetern geben. Ich weiß auch nicht, inwiefern ich den Geruchssinn, die Orientierung von Zugvögeln oder die Photosynthese „zu Quantenphänomenen erkläre“, wenn ich im Buch dazu jeweils die Formulierungen „spielt möglicherweise auch eine Rolle“, „spricht für die Hypothese“ und „deutet einiges darauf hin“ benutze.

Der Hinweis auf einen Quanteneffekt als Hypothese zur Orientierung von Zugvögeln findet sich übrigens auch in einem Lehrbuch aus dem gleichen Verlag, nämlich im Kapitel „Elektromagnetische Felder und der Spin“ im Grundlagenlehrbuch „Theoretische Physik“ von Matthias Bartelmann, Björn Feuerbacher und Anderen.

So oder so bin ich ganz sicher kein Experte für Quantenbiologie, und verweise daher zu diesem definitiv faszinierenden Thema gerne auf Autoren, die sich damit weitaus ausführlicher befasst und ein höchst lesenswertes Buch dazu geschrieben haben: Jim Al-Khalili und  Johnjoe McFadden mit ihrem Life on the Edge, das es inzwischen erfreulicherweise auch auf Deutsch gibt. Ob man mit dem etwas pompösen und mystifizierenden Klappentext der deutschen Ausgabe glücklich sein muss, ist eine andere Frage, aber dafür können in der Regel die Autoren nichts…

Ein Blick von außen auf das Quantenquark-Buch

Das eigene Buch kann man ja naheliegenderweise schlecht rezensieren, und selbst mit einer überschaubaren, aber halbwegs umfassenden Zusammenfassung hatte ich bislang so meine Schwierigkeiten. Für alle, die gerne etwas mehr als den Klappentext gelesen hätten, ehe sie sich natürlich für das Buch entscheiden, hat der Humanistische Pressedienst (hpd) eine wunderbar umfassende Rezension von Gerfried Pongratz, der ich mich in vollem Umfang anschließe, allein schon weil sie so positiv ausfällt.

Freundlicherweise hat der hpd erlaubt, den Text hier zu übernehmen – herzlichen Dank dafür:

Rezension

Relativer Quantenquark

Von:
Gerfried Pongratz

Der in der Skeptikerszene aktive, promovierte Kern- und Teilchenphysiker Holm Hümmler räumt mit der Vorstellung auf, dass esoterische und alternativmedizinische Konzepte mit der Relativitätstheorie und/oder Quantenphysik zu begründen wären. Auf populärwissenschaftlich hohem Niveau erläutert er – auch für Laien mit Vorwissen gut verständlich – die Grundlagen der Relativitätstheorie und Quantenmechanik, wie auch Fragen zur wissenschaftlichen Theorienbildung und Spitzenforschung in der modernen Physik.

„Viele Fälle, in denen die Relativitätstheorie oder die Quantenphysik als Belege für Heilmethoden, seltsame Gerätschaften oder Psychotechniken zitiert werden, dienen vor allem dazu, nicht verstanden und nicht hinterfragt zu werden“. Je ein Kapitel ist „Missverständlichem und Fehlgeleitetem – Jenseits der Grenzen des Seriösen“ sowie „Missbräuchlichem und Unbrauchbarem“ gewidmet; so z.B. der These, dass aus der berühmten Einsteinschen Formel E=mc² gefolgert werden könne, dass Materie aus der Energie von Gedanken entstehen und daraus „alles ist vorstellbar“ resultieren könne. Quantenheilung und Vieles mehr, was aus Unwissenheit und/oder Geschäftemacherei rund um die Themen Relativitätstheorie und Quantenmechanik angeboten wird, kann unter „Quantenquark“ zusammengefasst werden (irrationale Glaubenssätze existieren nicht im leeren Raum. Hinter ihnen stehen Welterklärungsansätze, die ein gefährliches Eigenleben entwickeln können).

Was steckt hinter den Theorien der modernen Physik? Das Buch bietet, beginnend bei geschichtlichen Entwicklungen und mit zahlreichen Quellen belegt, klare Definitionen und Erläuterungen mit einer weitgespannten Fülle neuester Erkenntnisse, die unsere Zukunft wesentlich mitgestalten werden. Vom „Welle-Teilchen-Dualismus“ über den „Tunneleffekt“ hin zur „Verschränkung und Nichtlokalität“ führt der Weg (über das unglückliche Beispiel von „Schrödingers Katze“) hin zu neuen Überlegungen wie der Stringtheorie und zu wahrscheinlichen Entwicklungen in der Quantenbiologie und im Quantencomputing.

Aus der Fülle der behandelten Themen einige Beispiele:

Was sind Quanten und was versteht man unter Quantenmechanik?

Als Quanten – sie sind keine besonderen Teilchen und keine andere Form von Materie – werden die kleinsten Energiemengen oder Wellenpakete bezeichnet, aus denen eine elektromagnetische Welle, wie zum Beispiel Licht aufgebaut ist. Die Quantenmechanik beschreibt die Welt dieser kleinsten Teilchen; man kann ihre Eigenschaften wie den Ort nicht messen, ohne sie durch die Messung zu verändern (bestimmte Eigenschaften sind nur in Form von Wahrscheinlichkeiten festgelegt). Wenn man sie perfekt von der Außenwelt isoliert, zeigen beschleunigte Teilchen Eigenschaften von Wellen, umgekehrt haben Licht und andere Wellenphänomene Teilcheneigenschaften, die sich bei Betrachtung sehr kleiner Energien zeigen (im Experiment verschwinden solche Effekte, sobald der Kontakt zur Außenwelt, zum Beispiel durch eine Messung, wieder hergestellt ist).

Ein ähnlicher Effekt ist die Überlagerung von einem zerfallenen und einem nicht zerfallenen Zustand, im klassischen Sinne ist der Zustand des Teilchens hierbei bis zur Messung nicht definiert. Zwei Teilchen, die aus demselben Prozess hervorgegangen sind, können, auch wenn sie voneinander entfernt sind, quantenmechanisch einen gemeinsamen („verschränkten“) Zustand bilden, bis sie mit der Außenwelt wechselwirken (Einstein sprach von „spukhafter Fernwirkung“). All dies, und noch mehr, beschreibt die Quantenmechanik; so z.B. auch die Chemie auf der Basis von Physik (als Beschreibung der Welt der kleinsten Teilchen und der Eigenschaften von Atomen).

Was sind Quantencomputer?

Quantencomputer nutzen Quanteneffekte, um mit beliebigen Zahlen anstatt nur mit Nullen und Einsen zu rechnen; so können sie bestimmte Rechenaufgaben möglicherweise sehr viel effizienter lösen als klassische Computer. Sie befinden sich zur Zeit noch in einer frühen Phase der Entwicklung und da der technische Aufwand bei der Herstellung und dem Betrieb, wie auch bei der Programmierung, noch große Probleme bereitet, ist schwer absehbar, welche Rolle sie in Zukunft spielen werden.

Was versteht man unter Quantenbiologie?

Die Quantenbiologie erforscht das mögliche Auftreten von Quanteneffekten in Lebewesen. Einige der dabei gefundenen Effekte sind vor allem deshalb bemerkenswert, weil sie in lebenden Zellen, also in warmen, ungeordneten Umgebungen, ablaufen. Ihre Ausdehnung beschränkt sich aber in der Regel auf Größenordnungen zwischen einzelnen Teilchen und dem Durchmesser großer Moleküle. Effekte der Quantenmechanik, die sich nicht auch mit klassischer Physik erklären lassen, kommen in biologischen Systemen allenfalls innerhalb einzelner Moleküle vor. Elektromagnetische Wellen oder Wellenlängen, die man als „Elektrosmog“ bezeichnet, wirken auf biologisches Gewebe praktisch nur in Form einer Erwärmung und „Quantenheilung ist nicht mehr als eine Suggestionstechnik, die als Form der Geistheilung praktiziert wird. Mit Quanten- oder sonstiger Physik hat sie absolut nichts zu tun (S. 178).

Quantenquark selbst angerührt (S. 212-214):

  1. Erwähne verblüffende Tatsachen aus der Relativitätstheorie oder Quantenmechanik:
    Z.B.: „In der Relativitätstheorie sind Masse und Energie äquivalent (E=mc²) und nach der Quantenmechanik können Teilchen an unterschiedlichen Orten miteinander verschränkt sein.“
  2. Verallgemeinere diese Tatsachen zu einer falschen Aussage, die in einem übertragenen Sinne noch einen wahren Kern enthält:
    Z.B.: „Da Masse und Energie äquivalent sind, ist Materie folglich nichts weiter als reine Energie. Da auch entfernte Teilchen miteinander verschränkt sind, hängt auf der Welt alles mit allem zusammen.“
  3. Nimm die Verallgemeinerung wörtlich und definiere die Begriffe so um, wie du sie brauchst:
    Z.B.: „Materie ist reine Energie, und diese Energie mobilisieren wir bei der Meditation. Da alles mit allem zusammenhängt, funktioniert Quantenheilung (sogar auch via Telefon).“

Ein großer Vorzug des Buches ist, dass jedem Themenbereich eine Zusammenfassung „Zum Mitnehmen“ beigeordnet wurde, die knapp, klar und präzise die Kernaussagen enthält. Allein das Lesen dieser 26 Kurzbeschreibungen würde genügen, einen guten Überblick und viel Wissen zu gewinnen. Zusätzlich zu diesen Zusammenfassungen enthält das Buch in zahlreichen Einschüben sogenannte „Quarkstückchen“, die beschreiben, was oftmals an Unsinn, Esoterik und Geschäftemacherei zum jeweiligen Thema verkündet und verkauft wird. Auch werden einige mehr oder weniger esoterische „An- und Einsichten“ ursprünglich seriöser Wissenschaftler (Hans-Peter Dürr, Burkhard Heim, Markolf Niemz) sowie fragwürdige Theorien, wie z.B. die „schwache Quantentheorie“ (formuliert von Harald Walach), mit sich daraus ergebenden pseudowissenschaftlichen Behauptungen und Methoden (z.B. in sogenannten „Familienaufstellungen“), kritisch beleuchtet: „Die schwache oder verallgemeinerte Quantentheorie hat mit Quanten nichts zu tun. Sie entnimmt der Quantenmechanik lediglich Begriffe und Formalismen, gibt ihnen dabei aber neue Definitionen. Experimentelle Belege, dass dabei eine sinnvolle Theorie herausgekommen ist, gibt es nicht.“ (S. 166)

Uneingeschränkte Leseempfehlung für physikaffine Leserinnen und Leser, die nicht nur von moderner Physik mehr verstehen möchten, sondern auch Interesse daran finden, esoterische Glaubensvorstellungen sachlich fair, ohne Häme, widerlegt und Scharlatane entlarvt zu sehen.

Holm Gero Hümmler: Relativer Quantenquark – Kann die moderne Physik die Esoterik belegen?, Springer-Verlag, 2017, ISBN 978-3-662-53828-9, 233 Seiten, 19,99 Euro

Relativer Quantenquark live in Köln

In den vergangenen Monaten habe ich mich ja bei öffentlichen Vorträgen zum Thema Quantenquark meist auf einzelne Teilaspekte konzentriert. Das ist letztlich kaum vermeidbar, wenn man zum Beispiel bei einem Science Slam nur 10 Minuten Zeit hat. Bei den Freunden von Skeptics in the Pub in Köln hatten ich hingegen einmal wieder die Bühne für mich und konnte mit etwas mehr Tiefe auf unterschiedliche Aspekte von Quantenunsinn und falscher Relativität eingehen. Ich hatte sogar einmal wieder Zeit, wenigstens die Grundzüge der richtigen Relativitätstheorie und Quantenmechanik anzusprechen. Von der Idee her ist der Vortrag relativ ähnlich zu meinem allerersten Quantenquark-Vortrag aus Frankfurt, mit dem dieser Blog und das Buch ihren Anfang genommen haben und der oben unter „Die Seite“ verlinkt ist. Tatsächlich haben sich meine Gedanken zu diesem Thema seit Anfang 2015 natürlich weiterentwickelt, und daher freut es mich sehr, dass auch von diesem Auftritt ein Video existiert:

Das penetrante Product Placement unten rechts ist übrigens reine Absicht… Zu meinem Bühnenhabitus kann ich mich nur entschuldigen und sagen, ja, es war heiß, und beim nächsten Mal ziehe ich wieder etwas korrekter ein Sakko an – da bewegt man sich eben doch anders.

Da ich hinterher darauf angesprochen wurde, sei noch der Hinweis erlaubt, die Folie mit den drei Autos bei Minute 10 ist korrekt, nur mein Kommentar dazu war möglicherweise falsch zu verstehen. Der Sportwagen, der jeden Beobachter, unabhängig von dessen Geschwindigkeit, mit gleichem Geschwindigkeitsunterschied überholt, der also für jeden eine andere absolute Geschwindigkeit haben muss, ist natürlich als Gegenstand unseres Alltags unmöglich. Genau so verhält sich aber das Licht. Die korrekte Einleitung dazu wäre also gewesen: „Wenn das Licht ein Sportwagen wäre, dann verhielte es sich so wie dieser – nämlich völlig absurd.“

Natürlich freue ich mich auch weiterhin über Anregungen und kritische Kommentare, und natürlich auf über Einladungen, das Thema auch andernorts einmal live vorzustellen.